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In Usbekistan

Die Stadt Ashkabath wirkt nicht nur steril, sie ist eine Stadt wie aus der Retorte. Überall stehen Prunkbauten, an jeder Ecke hängen Gemälde vom Präsidenten Turkmenistans in allen nur denkbaren Posen. Alle hundert Meter stand ein Polizist, ohne Übertreibung. Die heutige Fahrt war eine Königsetappe. Wir waren fix und fertig. Wir haben uns eine gute Unterkunft geleistet. Endlich konnten wir nach wochenlangem Reisen einmal Spaghetti essen, dazu nach zwei Monaten ein Bier. Es war wirklich ein Festival des Gaumens.
     Wir hatten uns zur Ruhe begeben, da jammerte Gerhard über unerträgliche Muskelkrämpfe in den Beinen. Rasch steckte ich ihm eine doppelte Dosis Magnesium- und Mineraltabletten in den Mund. Mir wurde angst und bange um meinen Mann. Wir hatten die Magnesium-Einnahme in den letzten Wochen vernachlässigt. Er litt sowieso an einem chronischen Magnesiummangel. Gegen starke Muskelkrämpfe bekam er noch zusätzlich ein homöopathisches Mittel. Nach einer halben Stunde ließen die Krämpfe nach. Die Sorge um Gerhard ließ mich lange nicht einschlafen. Immer wieder horchte ich, ob er auh regelmäßig atmete, bis ich nach ein Uhr einschlief. Am Morgen waren die Beschwerden vorbei.
     Es fällt auf, dass die Frauen in Turkmenistan besonders freundlich zu Frauen sind. Sie sind offen und lächeln. Ihr Äußeres dokumentiert das. Sie tragen lange, leicht taillierte Kleider und ein chices, buntes Kopftuch. Wir hatten auch eine angenehme Begegnung mit dem deutschen Botschafts-Personal. Sie waren wirklich sehr freundlich und zuvorkommend zu uns. Wir haben zwei erholsame Tage in Ashkabath verlebt. Am Pfingstsonntag, den 18.5.2002, verließen wir diese Stadt mit all ihren Protzbauten. Wir wollten und sollten das wahre Gesicht von Turkmenistan kennen lernen.
     In Ashkabath sahen wir unzählige Frauen auf den Straßen, die die Straßenränder mit Besen, Schaufel und Eimer reinigten. Das war wohl eine Beschäftigung für die Frauen. Alle trugen Kopftücher gegen die Sonne, und damit sie den Straßenstaub nicht einatmen mussten, trugen sie Tücher vor dem Mund. Es sah recht sonderbar aus. Es gab keine Hinweisschilder, wie man aus dieser Stadt herauskommt. Wir mussten oft anhalten und nach dem Weg fragen. Das kostete uns etwa anderthalb Stunden.
     Die Ausläufer der Bergketten rechts, Felder und reifes Getreide begleiteten uns die ersten 50 Kilometer. Die Sonne stieg hoch und höher, und damit wurde es heißer. Das war der erste heiße Tag auf unserer Reise. Die Acker verwandelten sich in Steppen. Wasserlachen erinnerten an heftige, zurückliegende Regenfälle. Zurück blieben nur Sandfelder. Die Luft roch ebenfalls nach Sand. Nach 50 Kilometern sahen wir nur noch flaches Land, soweit das Auge zum Horizont reichte. Verschwunden waren die Bergketten. Zu spät bemerkte ich meine geröteten Oberschenkel. Es war passiert: Verbrennungen ersten bis zweiten Grades. Die Landschaft wurde eintönig, und manchmal hatte man das Gefühl, man fahre bergauf, obwohl der Radcomputer anzeigte, dass sich die Höhenmeter nicht verändert hatten. Anhand unserer Karte und unseres Radcomputers ermittelten wir, wie weit wir noch zu fahren hatten. Es war inzwischen Nachmittag geworden, die Sonne stand recht tief. In Trinkpausen aßen wir die backofenwarmen Bananen, die fast flüssigen Schokoriegel und tranken teewasserwarmes Mineralwasser.
     Endlich, gegen 19 Uhr, erreichten wir den Ort Kaka, der, wie sich später herausstellte, seinen Namen zu Recht trug. Wir fragten uns nach dem angeblich vorhandenen „Motel" durch. Kurz vor dem Erreichen unseres Zieles wurden wir wie so häufig von einer Kontrolle vor einer Polizeistation gestoppt. Ein Beamter las in unseren Pässen wie in einem Buch. Ich fragte mich, ob er überhaupt lesen konnte. Es standen vier bis fünf Beamte vor der Station, die unsere Pässe durchreichten. Ich fragte vorsichtig: „Problem?" „Njet", antwortete man mir. Die Pässe wurden mit in die Station genommen, und so standen wir ohne da. Sie interessierten sich für unsere Räder, wurden mit der Zeit immer forscher, klingelten, wollten die Gänge ausprobieren und Ähnliches. Wir waren eine willkommene Abwechslung und Unterhaltung. Nachdem ich so verschwitzt war, begann ich zu frieren. Worauf mussten wir jetzt noch warten? Nach wiederholtem Nachfragen in Englisch bekamen wir heraus, dass der zuständige Polizeibeamte nicht anwesend war. Ob er wohl Brotzeit machte? Das hatten wir doch schon einmal. Nach einer Stunde bekamen wir unsere Pässe zurück, mit dem Hinweis, dass der Beamte uns im Motel aufsuchen würde.
     Am Motel war die Tür zu und niemand da. Ältere Kinder kamen und redeten auf uns in einer für uns nicht verständlicher Sprache auf uns ein. Eine junge Frau erzählte etwas von „Kluschk" und machte die Handbewegung zum Schließen. Wieder warten. Es dämmert schon. Nach einer halben Stunde kommen zwei junge Kerle, die offenbar Einkaufen waren, mit dem nötigen Schlüssel. Das Äußere des Hauses verhieß wenig Ordnung und Sauberkeit. Innen hatten wir die Wahl zwischen einem Zwei- oder einem Vier-Bett-Zimmer. Damit wir unsere Räder mitnehmen konnten, entschieden wir uns für das größere Zimmer, das heruntergekommen ist. Vier Eisenbetten mit Eisensprungrahmen und einer verfleckten, schmutzigen Auflage stellten unser Nachtquartier da. Wir haben keine Wahl, wir müssen es annehmen. Ich frage nach einer Dusch- oder Waschgelegenheit. „Njet", die gibt es nicht. Die Toilette ist auf dem Hof. Im Bretterboden ist ein Loch, darüber sind rechts und links zwei Backsteine, auf die man sich stellt. Papier gibt es nicht. Das verwendete Toilettenpapier, sofern man selbst welches mitgebracht hat, wird nach Gebrauch in einem Papierkorb deponiert. Da kann man das benutzte Papier seiner Vorgänger besichtigen und riechen. Es war das Schlimmste, was wir bisher erlebt hatten.
     Das restliche Mineralwasser mussten wir rationieren, zwei Bananen und Trockenfrüchte mussten wir zu Abendbrot und Frühstück teilen. Ein dröhnender Fernseher und Kindergeschrei bis in die Nacht ließen mich nicht schlafen. Die Wirtin brachte uns Bettwäsche, bei der man nicht erkennen konnte, welche Grundfarbe sie einmal hatte. Völlig verschwitzt legte ich mich in meinen Schlafsack, der für die Wärme viel zu heiß war. Morgens stand ich gerädert auf. Nach dem ausgiebigen Frühstück wie beschrieben wollten wir uns auf den Weg machen. Aber die Wirtin hatte am Vorabend unsere Pässe verlangt. Es kam tatsächlich noch ein Beamter, der sie sehen wollte. Er notierte sich unsere Daten. Ich fragte mich, wozu – Arbeitsbeschaffung? Zum Abschied fragte mich die Wirtin „Karascho?", was heißt:„War es gut?" Was sollte ich darauf antworten? Also sagte ich: „Ja."
     Auf dem Basar des Ortes versorgten wir uns mit Brot und Wasser. Mehr gab es nicht. Kartoffeln und Zwiebeln kamen für uns nicht in Frage. Wir hatten wieder einmal zu wenig Flüssigkeit mitgenommen und fragten bei einem Bauern nach Wasser. Er gab uns nicht nur Brunnenwasser, sondern bot uns auch noch eine Krautsuppe und Tee an. Das brauchten wir jetzt, denn wir waren ziemlich leer. Wir hatten Glück: Am Rande der Stadt bot ein fliegender Händler Mineralwasser und Limo an. . . .

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