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Auf nach Kasachstan

In aller Frühe verlassen wir Taschkent. Nur wenige Menschen sind zu dieser Zeit unterwegs. Wir suchen verzweifelt Verkehrsschilder, die uns den Weg aus der Stadt zur Grenze nach Kasachstan zeigen. Wir fahren kreuz und quer durch die Stadt. Unser geringer russischer Sprachschatz erleichtert uns das Verstehen nicht.Mit heftigen Gesten und einem russischen Redeschwall versuchen die angesprochenen Leute, uns den Weg zur Grenze zu beschreiben.Irgendwie haben wir dann den Weg zu Grenze gefunden. Mit Verlassen der Stadt wurde es wieder ruhiger um uns. Nach 30 Kilometern erreichten wir die Grenze. Die usbekischen Beamten hielten noch eine kleine Schikane für uns bereit: Wir mussten alle unsere Packtaschen von den Rädern herunternehmen und auf ein Transportband legen, wo sie dann durch ein Durchleuchtungsgerät transportiert wurden.
So ein Nonsens...
     Ich machte meinem Unmut darüber hörbar Luft, indem ich laut fluchte. Gerhard ermahnte mich, ruhig zu sein. Wir passierten die usbekische Grenze. Die Kasachen waren da völlig unbürokratisch. Wir fuhren durch viele kleine Dörfer. Das gängige Transportmittel war der Esel, vor einen Karren gespannt. Riesige Getreidefelder, die reif waren zum Ernten. Das dominierende Schuhwerk in den kleineren Städten und Dörfern, von Turkmenistan bis Kasachstan, waren halbe Gummistiefel, die in den meisten Fällen zu groß waren. Ein Grund dafür war sicher der Straßenzustand. Die Seitenstraßen sind meist nur Sandwege. Ausschließlich die Hauptstraßen sind asphaltiert.
     Im Iran sah ich viele Einheimische, die ihre Schuhe hinten heruntergetreten hatten. Das hatte wahrscheinlich einen ganz praktischen Hintergrund: Beim Betreten einer Moschee lassen sich so die Schuhe leichter ausziehen. In Taschkent hatte ich uns mit Hafer-Müsli versorgt. Diskussion mit Gerhard. „Wer soll denn das tragen? Alles überflüssig“. Also habe ich den Einkauf in meine Tasche getan. Auf der Fahrt von Taschkent nach Simkent fragt mich mein Mann dann, ob ich heute nicht so gut drauf sei. „Du bist heute aber witzig, ich habe das ganze Gewicht und soll noch schneller sein als du“.
Unser Tagesziel hatten wir nach 125 km erreicht. Wir hatten unterwegs Schiebewind, was uns das Radeln vereinfachte. Eine große Auswahl von Unterkünften in Simkent gab es nicht. Es war ein heruntergekommenes Hotel, das nur noch als Hostel zu bezeichnen war. Das Mobiliar war erwartungsgemäß: Sperrmüll. Ein Kleiderschrank ohne Kleiderstange und Bügel. Zwei Betten zwar mit optisch einigermaßen sauberer Bettwäsche, darunter jedoch eine versiffte Matratze, die einen entsprechenden Geruch verströmte. Die Sanitäreinrichtung bestand aus einem Waschbecken mit einem Kaltwasserhahn und einer Toilette ohne Klodeckel ,was ja nicht tragisch ist. Ich setze mich sowieso nicht auf fremde Toiletten. Am besten war es, die Augen zu, seine Verrichtung machen und raus.
     Das Frühstück am nächsten Morgen bestand aus einer Scheibe Brot mit Honig und Kaffee, den ich tassenweise mit einem Tauchsieder zubereitete.
     Unser Visum war auf 72 Stunden begrenzt. Diese Zeit reichte für 460 Kilometer nicht. So hatten wir beschlossen, für einen Teil der Strecke einen Bus zu nehmen.
     Wir suchten den Busbahnhof in Simkent, was sich als schwierig erwies. Mehrmals machten wir den Versuch auf Russisch nach dem Bahnhof zu fragen. Die Gefragten schauten uns nur verständnislos an, sie verstanden uns nicht. Im Russischen ist Betonung das A und O des Verstehens und Verstandenwerdens.
     Unsere Uhren zeigten sieben. Wir dachten, früh dran zu sein. Den Busbahnhof haben wir mit der Hilfe eines Englisch sprechenden Kasachen gefunden. An der Haltestelle, an der der Bus nach Almaty fuhr, stand kein Bus mehr.
     „Was machen wir denn nun?“, fragte ich Gerhard, Geschäftstüchtige Busbetreiber boten uns ihre Hilfe an. Ja, sie gingen soweit, dass sie unsere Räder auseinander montieren wollten wie Klappräder. Das war nicht machbar. Vielleicht sollten wir mit dem Zug unsere Reise fortsetzen? Wir kamen an die Haltebucht des Busses, der nach Almaty fuhr. Was war das? Ein Bus stand da. Wir gingen zu dem Fahrer des Busses und fragten ihn, ob der Bus nach Almaty fahre. Ja, war seine Antwort... In der ersten Euphorie ließen wir unsere Rädern von den Busfahrern sachgemäß in den Kofferraum verstauen. Erst jetzt kam es uns in den Sinn, nach der Abfahrtzeit zu fragen. Einer der Busfahrer zeigte mir seine Uhr, ich hielt meine zum Vergleich dagegen. Was war das? Meine Uhr zeigte zwei Stunden früher. Ungläubig schaute ich auf beide Uhren. Jetzt wurde uns klar, dass wir etwas übersehen hatten: Wir waren in Kasachstan. Hier war die Zeit schon weiter. Auf meine Frage, wann denn der Bus seine Fahrt aufnimmt, antwortete mir ein Fahrer: Um drei Uhr nachmittags. Das bedeutete sechs Stunden Wartezeit. Wir berieten uns, welche Möglichkeiten noch übrig blieben und beschlossen, zu warten und mit dem Bus bis 30 Kilometer vor die kirgisischen Grenze zu fahren.
     Eine Dreiviertelstunde später als planmäßig setzte sich der Bus in Bewegung.
     240 Kilometer lag unsere Zielhaltestelle entfernt. Es war inzwischen um vier. Der Autobus hatte nach unserer Einschätzung eine Fahrgeschwindigkeit von etwa 60 Stundenkilometern. Der Bus entpuppte sich als Sammelbus, denn jeder, der unterwegs die Hand heraushielt, wurde mitgenommen. Ich sagte zu meinem Mann.“ Wenn der Bus weiter dieses Tempo beibehält, erreichen wir Merke in völliger Dunkelheit“. Auch mein Gerhard wirkte nicht mehr so gelassen. Das Maß unserer Geduld wurde voll gemacht. Es wurde noch eine Pause von einer halben Stunde eingelegt. Wir fühlten uns so ohnmächtig, wir hatten keinerlei Einfluss auf den Verlauf. Frustriert aßen und tranken wir auch etwas. Das war ein Fehler, wie wir später zu spüren bekommen sollten.
Das Wetter hatte sich auch verschlechtert, ein Gewitter zog auf. Es begann heftig zu regnen, und ein Blitz jagte den nächsten.
     Mir war recht unbehaglich bei dem Gedanken, nicht zu wissen, wo wir heute eine Bleibe finden würden. „Mir ist übel vor Aufregung“, sagte ich zu Gerhard. „Mir geht es genauso“, erwiderte er.
Bei strömendem Regen erreichten wir unser Fahrziel um elf Uhr nachts. Ein Fahrgast hatte uns im Bus signalisiert, dass er uns behilflich sein würde, die einzig vorhandene Herberge des kleinen Dorfes zu finden. Er war weg, noch bevor wir Gepäck und Rad in der Hand hielten.
Ein Taxifahrer mit einem Kleinwagen und Gepäckträger ergriff die Initiative. Er nahm unsere Packtaschen und stellte sie in seinen Kofferraum. Unsere Räder sollten oben auf den Gepäckträger. Wütend holte ich unsere Taschen wieder aus dem Kofferraum und schrie auf Deutsch: „Das geht doch nicht, die Räder gehen doch kaputt“. Er muss das Wort verstanden haben und wiederholte es noch mal. „Kaputt“.
     Gerhard sagte: „Dort drüben ist ein beleuchtetes Gebäude, ich schau mal, ob wir dort nächtigen können. Ich sah mich im Geiste schon in unter einem Baum oder in einem Hauseingang. Gerhard kam mit einem Polizeibeamten zurück und berichtete mir, dass es vier Kilometer weiter eine Unterkunft gäbe. Es war stockfinster, dazu der heftige Regen. . .

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