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Kasachstan Hepatitis

Es begann am Nachmittag des 20. Juni 2002 mit einem Mittagsschlaf. Nach dem Schlaf fühlte mich nicht erholt, mir war sonderbar heiß. Mehr aus medizinischer Angewohnheit maß ich meine Körpertemperatur .Ich konnte es nicht glauben – das Thermometer zeigte erhöhte Temperatur an: 37,8 Grad Celsius. An diesem Nachmittag waren wir in die Datscha von Frau Hagen, einer Mitarbeiterin des Deutschen Konsulats, eingeladen. „Du musst ohne mich hingehen, ich fühle mich nicht gut“, sagte ich meinem Mann. Gerhard meinte, es sei sicher eine Folgeerscheinung der Mammut-Tour vom Vortag, wo ich nichts essen konnte und nur getrunken hatte. Ich vermutete eine Grippe, die ich mir gestern im Viehtransporter geholt habe. Es hatte ja mächtig da hinten drin gezogen, außerdem wurde auch eine Menge Staub hereingewirbelt. In zwei oder drei Tagen wollte ich wieder fit sein. Wir hatten mehrere Tage in Almaty geplant.
     Während Gerhard den Besuch machte, schlief ich tief und fest.
     Am Abend gingen wir zum Essen in ein Restaurant, das etwa einen halben Kilometer von unserem Hotel entfernt lag. Wir schlenderten durch einen kleinen Park mit einigen riesigen alten Bäumen. Es war ein herrlicher Sommertag mit mediterranen Temperaturen. Die Sonne schmeichelte in der Abendsonne. Ich konnte es gar nicht richtig genießen, meine Beine waren bleischwer und meine Gliedmaßen fühlten sich wie verprügelt an. Wir saßen draußen in einem Biergarten. Es hätte alles so angenehm sein können, wenn ich mich nur etwas besser gefühlt hätte. Gerhard versuchte, mir Lust auf ein Bier zu machen. „Danke, heute nicht, ich trinke lieber ein Mineralwasser“. Erstaunt schaute er mich an. Ja, so etwas kannte er von mir überhaupt nicht, dann musste es mir wirklich nicht gut gehen.
     Die Speisekarte war wie immer in kyrillisch, für uns, wie meistens nicht lesbar, mit wenigen Ausnahmen. “Du musst etwas essen, mahnte mein Mann“. Du verlierst sonst an Kraft. Also einigten wir uns auf eine Suppe. Ich aß sie mehr aus Vernunft als aus Appetit. Ich spürte die aufkommende Hitze in meinem Körper, mein Kopf begann zu dröhnen. „Lass uns wieder in die Unterkunft gehen, ich kann kaum noch sitzen“, bat ich meinen Mann. Die Fiebermessung zeigte 38,7 Grad Celsius. Mein Gerhard war ganz hilflos in dieser Situation und erklärte mir: „Morgen früh lassen wir einen Arzt kommen“. „Das tun wir nicht“, war meine prompte Antwort. Intuitiv habe ich geahnt, dass ich in einem der Krankenhäuser von Almaty landen würde und das war genau das, was ich nicht wollte. Ich misstraute der Schulmedizin auch hier. Wenn man wie ich seit 40 Jahren in der Klinik tätig war, weiß man doch genau, was in Krankenhäusern abläuft. Ich weiß am besten, was für mich gut ist. Mit homöopathischen Mitteln versorgte ich mich, in der Hoffnung, dass es Morgen wieder besser ging. In der Nacht schlief ich sehr unruhig, wälzte mich von einer Seite auf die andere und suchte nach einer Lage, wo mir meine Gliedmaßen nicht schmerzten. Am folgenden Morgen hatte sich mein Zustand noch nicht gebessert, von meinem Kopf hatte ich das Gefühl, als ob er in einem Schraubstock steckte. Nur mit großer Mühe brachre ich es fertig, uns ein Frühstück zu bereiten. „Wie fühlst Du dich?“, wollte mein Mann von mir wissen. „Nicht so prächtig“, war meine Antwort. „Sollen wir nicht einen Arzt kommen lassen?“, fragte er mich. „Nein, das schaffe ich schon ganz alleine. Du wirst sehen, morgen kann ich mit Dir trainieren“.
     In Almaty fand am Wochenende ein Berg-Marathon statt. Gerhard hatte davon gehört und war ganz versessen darauf, daran teilzunehmen. Ich war, ganz abgesehen von meinem derzeitigen Zustand, davon überzeugt, dass es auch für Gerhard nicht so gut war, daran teilzunehmen. Wir hatten seit vier Monaten kein Lauftraining, nur auf dem Rad gesessen. Er war von einer Teilnahme aber nicht ab zu bringen. Allmählich machte ich mir auch Gedanken über meinen Zustand. Wie konnte ich das Fieber nur herunterbekommen? Ich griff zu einem konventionellen Fieber senkenden Mittel. Das half aber nur so lange, bis die Wirkung wieder nachließ. Gerhard machte sich auf den Weg, seine Startunterlagen für den Berg-Marathon zu besorgen, denn er hatte sich für einen Halbmarathon angemeldet,.
     Währenddessen gönnte ich mir die Bettruhe. Mir war nur noch nach Ruhe. Obligatorisch prüfte ich meine Temperatur, ich konnte es nicht fassen! Sie stieg weiter an: 39,8 Grad. Was war mit mir los? Hatte ich vielleicht eine Infektions-Krankheit? Hepatitis? Nein, es konnte nicht sein, denn schließlich war ich nicht gelb. Ich wurde mit jedem Tag, der verging, immer wackliger auf meinen Beinen. Vielleicht war die Konsultation eines Arztes doch sinnvoll. Es war schon Spätnachmittag geworden, als Gerhard zurückkehrte. Prüfend schaute er mich an und fragte mich, wie ich mich fühle. „Es gehr mir so schlecht, es wird nicht besser mit mir“. „Morgen hole ich einen Arzt“, erklärte er entschlossen. „Morgen hast Du deinen Lauf“, antwortete ich ihm. „Es tut mir leid, ich kann dich nicht begleiten“. „Lass uns etwas essen gehen“, schlug Gerhard vor. Hunger hatte ich überhaupt nicht. „Du musst aber ein wenig Bewegung haben, und frische Luft tut dir sicher auch gut“.
     Ich quälte mich mit Gerhard zum nächstgelegenen Gasthof. Unterwegs habe ich mich zweimal auf eine Bank setzen müssen. Ich sah meine Umgebung leicht nebulös, alles fiel mir unglaublich schwer. Fünf Tage waren seit unserem Eintreffen in Almaty vergangen, davon war ich nun schon drei Tage krank.
     Samstagvormittag, Gerhard packte seine Laufutensilien. „Kann ich dich alleine lassen?“, fragte er mich. „Ja, das kannst du“.
     Ich war wieder alleine mit mir, Gedanken kamen mir in den Sinn. Wie soll es nur weitergehen? Jeder ist im Leben mal krank. Keiner ist immun dagegen. Krankheit hat einen Sinn. Wo aber war der Sinn dieser Krankheit? Es fiel mir ein Buchtitel von Detlef Thorwaldsen ein „Krankheit als Weg“. Warum hatte ich diesen Weg gewählt?
     Am späten Nachmittag kam Gerhard von dem Wettkampf zurück. „Was, du bist ja schon da, ich hatte dich eigentlich erst später erwartet. Bist du ausgestiegen?“
     „Nein, Frau, ich habe mich nur beeilt. Ich habe mir nach dem Rennen ein Taxi genommen, um möglichst schnell wieder bei dir zu sein. Während des Laufes waren meine Gedanken so oft bei dir und ich habe mich gefragt, wie es dir wohl geht“.
     Er war ganz aufgekratzt, ja fast einwenig euphorisch. Er erzählte mir davon, wie gut er sich während des Laufens gefühlt hat und wie sein Körper ihm gesagt hat „Junge, das schaffst du“. Mit Beginn der kontinuierlichen Steigung überholte er so manchen, der sich zu Beginn des Rennens überpaced hatte. Ich habe ihn auch ein wenig beneidet. Schade, dass ich so krank war.
     Gerhard berichtete mir, dass er eine Botschaftsangestellte getroffen habe, die ebenfalls an dem Lauf teilnahm. „Ihr habe ich von deiner Erkrankung erzählt. Sie kennt einen Arzt, der auch Homöopath ist, der aber aus Altersgründen nicht mehr praktiziert. Sie wird ihn heute noch anrufen und ihn um Rat fragen“. Tatsächlich klingelte noch am Abend das Telefon. Asyia war am Apparat – sie hatte mit dem Arzt gesprochen und kündigte sein Telefonat für morgen früh an.So geschah es denn auch. Gerhard nahm das Gespräch an. Er berichtete, was bisher geschehen war und in welchem Zustand ich mich befand.
     Schriftlich stellte er einen Behandlungsplan auf, den unsere neue Freundin uns nach ihrem Dienst ins Hotel brachte.

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