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Bericht 1: Der Start. Über die Alpen nach Slowenien – Seite 1/5

Dieser Tag wird uns in Erinnerung bleiben für den Rest unseres Lebens. Jetzt, am vierten Tag, sind wir in Tamsweg in Österreich und haben den Tauernpass überwunden. Wir fühlen uns gut und sind befriedigt, dass wir hier angekommen sind. Es war nicht einfach.
     Es ist doch eigentlich ein gutes Zeichen: Jeden Tag sind wir vier, fünf, sechs Stunden im Sattel und haben uns schon richtig geplagt mit unseren schweren Rädern. Zum Schluss heute die Gipfeltour. Jetzt ist es richtig gemütlich in unserem Zimmer. Wir hatten ein Vollbad, es ist 21.30 Uhr am Abend. Jetzt wage ich es erstmals, meine Stimme auf Tonband zu bringen.
     Was haben wir da in Gang gesetzt mit unserer Radtour um die Welt? Sehr früh haben wir uns geoutet. Das ist uns manchmal schon recht unheimlich. Es wäre vielleicht besser gewesen, ganz heimlich loszufahren, weil man ja nie weiß, wie lange es geht – und weil man dann auch nicht dumm dasteht, wenn man vielleicht irgendwann mal abbrechen muss.
     Die Vorbereitung dieser Reise ist eine Erfahrung für mich und meine Frau Jutta, die unser Leben bereichert hat. Diese Phase vor dem Start hatte sich in den letzten Tagen ja noch richtig dramatisch zugespitzt. Die Vorbereitungen, immer alles auf den letzten Drücker machen, dann war auch noch vieles zu erledigen in der Nacht vor der Abfahrt – es war schon richtig nervig. In den Nächten vorher bin ich schon einige Male aufgestanden und habe Notizen gemacht, wenn mir wieder etwas eingefallen ist. Es war wirklich Anspannung bis zuletzt.
     Und der letzte Tag vor der Abreise: Es war noch einiger Papierkram zu erledigen, wir haben eingekauft und ich musste kurz vor Ladenschluss Zubehör abholen. Dabei habe ich kurz entschlossen noch eine Radjacke für jeden von uns erworben. Ich bin froh, dass Jutta und ich die noch bekommen haben, wir tragen sie jetzt jeden Tag.
     Dann waren plötzlich die Medien auf uns aufmerksam geworden. Die beiden Zeitungsberichte von unserer Pressekonferenz vom Freitag zuvor und der Verabschiedung vor etwa 50 Leuten hatte Einiges bewirkt. Es kamen am Montag reihenweise Telefonanrufe an, darunter von vier Radiostationen. Sie waren richtig beharrlich und wollten uns alle noch am gleichen Tag oder am nächsten Abreisetag interviewen. Wir konnten die Anrufe schon gar nicht mehr richtig einordnen. Ein Radiosender wollte jedenfalls vor der Abreise um 7 Uhr ein Interview über zwei Stunden machen. Das wollten wir uns aber nicht antun. So blieb es bei einem Interview, und die „Bild“-Zeitung schickte uns noch einen Reporter. Erst um 1 Uhr sind wir ins Bett gekommen und früh um 6.30 Uhr wieder aufgestanden. Im Flur warteten schon unsere gepackten Räder. Dann stand plötzlich ein ehemaliger Kollege von mir in der Tür. Dr. Linz, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Bank, wollte von uns persönlich Abschied nehmen. Eine halbe Stunde später standen einige Nachbarn mit einer Flasche Schampus vor dem Haus. Das war dann noch mal ein richtig rührender Abschied. Unser Freund Charlie von der Bank kam noch angefahren, auch eine Riesen-Überraschung.
     Wenn man sich für eine so lange Zeit verabschiedet, geht es emotional sehr tief. In diesem Moment empfand ich große Bewunderung für meine Frau, die sich aus Liebe zu mir entschlossen hat, diese Reise mitzumachen. Nun kullerten ihr die Tränen über beide Wangen, als wir uns auf die Räder schwangen und ohne uns umzuschauen in die Pedale traten. Nun hatte sie also begonnen, die Weltradtour. Die Stunde Null am 12. März 2002 um 9 Uhr. Wir haben in diesen Tagen sehr viel Sympathie und Zuwendung erfahren, das hat uns wirklich überrascht. Es könnte ja auch sein, dass es viele gibt, die für ein waghalsiges Unternehmen, das doch kaum gut gehen könnte, wenig Verständnis haben. Nein, viele Menschen wünschen uns Glück und Erfolg und werden an uns denken, wenn wir unterwegs sind. Wir haben uns für lange Zeit verabschiedet, so als ob man auswandert, und behalten doch eine starke Bindung an Daheim. Wir haben Partner, die auf uns vertrauen, wie der Weltsichten-Verlag mit Axel Brümmer und Peter Glöckner, der unser „Hauptquartier“ bildet und das Buch, das ich schreiben will, herausgeben. Das ist aufregend und eine Riesen-Herausforderung. Es sind tiefgehende Gefühle, die uns begleiten werden.
     In Starnberg beim Radhaus mussten wir noch mal Station machen, denn es stand schon die erste Reparatur an. Der Radständer bei mir ist gebrochen. Die Neumontage war schnell erledigt, aber es war nur ein Behelf. Aber es gibt wesentlich Wichtigeres in dieser Stunde. Jetzt geht es erst richtig los. Um den See, das sind ja heimische Gefilde, die wir vor uns haben. Ein Blick hinunter zum Starnberger See und hinauf den ersten Berg. Eine erste Pulskontrolle: Jutta hat 20 Schläge in der Minute mehr als ich. Das beunruhigt mich etwas. Bei 150 Puls liegt sie nahe am absoluten Limit, da droht starke Übersäuerung.
     Dann links hinüber Richtung Wolfratshausen gibt es weitere Bergprüfungen. Wir waren ja einige Tage vorher hier schon einmal durchgefahren, auch mit Gepäck zum Test. Aber es kam noch Einiges hinzu, und wir sind auf unseren Rädern noch schwerer geworden. Hier sind wir auf unseren Rennrädern oft zum Biathlon-Training die Berge hinaufgekurvt. Nun ist es ein ganz anderes Radfahren. Ab Wolfratshausen und im ganzen Raum Bad Tölz erfasst uns starker Autoverkehr. Wir befinden uns nun auf einer Schnellstraße. Es sind viele Raser unterwegs. Es wird erst einem Radfahrer richtig bewusst, wie schnell auf unseren Straßen oft gerast wird. Und wir schieben erstmals einen Berg hinauf, den wir früher im kleinsten Gang noch hinaufgekommen sind. . . .

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