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Bericht 10: „Eine Erkrankung, die Grenzen setzt“ – Seite 1/2

. . .Kasachstan ist ein riesiger Flächenstaat, ein Großteil ist Steppe. Von den 14 Millionen Menschen im Land sind acht Millionen Kasachen, sechs Millionen Russen und andere Minderheiten. Von den Deutschstämmigen, die ursprünglich eine Million zählten, sind nur noch 350.000 im Land, die anderen sind in die gelobte deutsche Heimat gezogen. Die Kasachen können optimistisch in die Zukunft sehen, wurden doch erst in jüngerer Zeit weitere umfangreiche Öl- und Gasvorkommen entdeckt. Der Präsident Nasarbajev herrscht seit der Unabhängigkeit ziemlich uneingeschränkt. Er hat die im Zentrum der Steppe liegende Stadt Astana zur Hauptstadt erklärt, doch die unumstrittene Metropole ist Almaty mit seinen 1,5 Millionen Einwohnern. Auch die meisten Botschaften residieren hier. Das Kontinentalklima mit sehr kalten Wintern und heißen Sommern ist hier im Sommer wegen der Höhenlage und der unmittelbaren Nähe zum Hochgebirge gemäßigt. Wir erleben jedenfalls ein ideales Sommerwetter. An heißen Tagen gab es immer wieder eine Abkühlung durch Gewitter, es regnet jedoch nie sehr lange. . .
. . . Die Straßen, Gebäude und Passanten vermitteln den Eindruck von westlichem Wohlstand. Die Nobeleinkaufsmeilen der europäischen Großstädte waren sicher Vorbild und sollten an Eleganz noch übertroffen werden. Hier präsentieren alle Markenartikler der Welt ihre hochpreisigen Waren in vielen noblen Shops, auch in dem einzigen Kaufhaus, das wir gesehen haben. So war es uns bisher nicht möglich, ein paar einfache, leichte Kleidungsstücke zu finden. Es gibt jedoch auch in dieser Stadt viel Armut, das Wohlstandsgefälle ist sehr groß.
      Auffallend ist der Kult mit den Autos, jedenfalls in den etwas vornehmeren Vierteln. Die Nobelmarken Mercedes, BMW und Audi müssen es offenbar sein, wenn ein kasachischer Bürger der Umwelt beweisen will, dass er es geschafft hat und ganz oben dazu gehört. Das sind selbstverständlich die neuesten Modelle, keine alte Gebrauchtschlitten. Sie wirken alle wie neu, offenbar werden sie jeden Tag gewaschen und geputzt. Wenn die Fahrer in ihren geparkten Autos sitzen, fühlen sie sich dort offenbar wohler als in ihrem Sessel im Wohnzimmer, jedenfalls schauen sie genüßlich auf das Armaturenbrett.
      Es ist ein bekannter Exportvorteil unserer Autobranche, dass die deutschen Autos speziell für schnelles Fahren gebaut sind. Hier werden sie auch schnell gefahren, obwohl es in diesen Ländern keine Autobahn nach europäischen Maßstäben gibt. In der Fahrbahndecke finden sich oft kreisrunde Löcher, die bis zu 35 Zentimeter tief sein können, und nicht selten traben Kühe und Ziegen plötzlich auf die Fahrbahn. Wenn wir als Radler mitbekommen, wie die besagten Limousinen mit 240 Stundenkilometern vorbeibrettern, wird der Schwachsinn der Raserei besonders deutlich. Unsere Autoindustrie, die das schnelle Fahren in diese Länder transportiert hat, wird natürlich eine moralische Mitschuld an den Folgen der Raserei weit von sich weisen.

Wir fahren nach Sibirien

Wir hatten uns mit den Russland-Visa eine Zwangspause auferlegt, denn wir konnten nicht vor dem 7. Juli einreisen. Ein Vorziehen scheiterte an der Bürokratie der Russen. Nun erwies sich, dass wir die weiteren Ruhetage bitter nötig hatten. Jutta hatte es hier in Almaty viel schlimmer erwischt als befürchtet. Sie ist zehn Tage lang krank im Bett gelegen, vier Tage davon mit hohem Fieber. Das war ein deprimierender Schock für mich. Zunächst war meine Frau zuversichtlich, ohne ärztliche Hilfe auszukommen und vertraute auf ihre eigene homöopathische Apotheke. Wieder wurde uns mit rührender Fürsorge geholfen. Azia, eine junge Kasachin, ist Angestellte der deutschen Botschaft, ein zierliches kleines Persönchen mit wachen Augen im runden Kopf. Sie hat uns sofort im Hotel besucht, als sie von mir hörte, dass Jutta im Bett liegt. Sie empfahl uns einen Doktor, der zwar nicht mehr praktiziere, aber ein sehr erfahrener Homöopath und Allgemeinmediziner sei. Der gab nach einem Telefongespräch in einem langen Brief medizinische Ratschläge und besuchte uns. Jutta nahm die empfohlene Radikalkur an: einige Tage nur trinken und Abführmittel nehmen, begleitet von homöopathischen Substanzen. Ich musste hilflos zusehen, wie meine Frau unter dieser Rosskur litt. Sie magerte weiter ab und wurde so schwach, dass sie nicht mal einige Minuten sitzen konnte. Als ich am Abend an ihrem Bett saß und ihre Hand hielt, hauchte sie: „Muss ich sterben?“ Das war der Tiefpunkt, und mich erfasste schiere Verzweiflung als ich ihr über ihre fieberheißen Wangen strich und sagte: „Du wirst bald gesund werden, ich bin bei dir.“ In den nächsten Tagen ging das Fieber zurück, doch ihr Aussehen hatte sich stark verändert. Zunächst wollte ich es nicht wahrhaben, als sie ausrief: „Ich bin gelb! Das ist Hepatitis!“ Doch das Gelb im Augapfel und am ganzen Körper war nicht zu übersehen. Zusätzlich plagte sie ein fürchterlicher Juckreiz. „Wie tausend Ameisen“, sagte sie. >

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