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Bericht 16: „Vierter Kurzbericht“ – Seite 1/1


Wir melden uns aus BuonMeThuot, einer Stadt in der Bergregion des Südens. Bis zur kambodschanischen Grenze haben wir noch etwa 400 km. Wir wollen Saigon nördlich umfahren, müssen uns aber immer neu orientieren, denn in unseren Karten mit kleinem Maßstab sind Straßen vermerkt, die es nicht mehr gibt und Orte, die einen anderen Namen haben. Nahezu 1100 km waren wir auf unserer Fahrt nach Süden auf der Nationalstraße Nr. 1 eingefangen, unmittelbar einbezogen in die Faszination, die Dynamik, die Lebendigkeit, aber auch in drohende Gefahren, dieser Lebensader, die von Hanoi bis Saigon das Land verbindet. Sie ist Autobahn, Schnellstrasse, Radweg, Schulweg, Fussweg, Ortsverbindung und über viele Kilometer Einkaufsstraße und bescheidene Erwerbsquelle für Zehntausende oder mehr, die unmittelbar am Verkehrsgewühl ihre Waren und Dienstleistungen anbieten. Wir waren erleichtert als wir nach Westen in die Berge abzweigen konnten.
     Auf den letzten 200 Kilometern ab DaNang wurde uns der Fahrgenuss zunehmend erschwert. Ein Dorf am anderen mit quirligem Ortsverkehr; noch intensiveres Dröhnen und schrillere Tönen der schweren Fahrzeuge, massenhaft Motorbikes und schlechte Straßen. Wir und unsere Räder mussten staubigen Schotter ertragen und uns durch Engstellen an Brückenbauwerken lavieren. Vor DaNang hatten wir unsere erste große Bergprüfung. Etwa 800 Höhenmeter etwa waren es wohl. Die Karte sagte dazu gar nichts aus. Wir wurden nur gewarnt, dass wir das nicht an einem Tag schaffen könnten.
     In Serpentinen hoch, dem Schwerlastverkehr konnten wir kaum ausweichen in den engen Kurven, die dicken „Brummer“ quälten sich wie wir auch und hüllten uns in Dieselqualm und pusteten heiße Abgase an unsere Beine.

Wir wurden Zeugen eines tödlichen Unfalles. Zwei junge Männer lagen auf der Straße, einer über dem anderen, so wie sie angeschmiegt auf ihrem Motorbike gesessen hatten, die Hände nach vorn, beide Köpfe zur Seite mit offenen Augen, jedoch ohne sichtbare Verletzung. Doch sie lagen in ihrem rinnenden Blut im Tod erstarrt. Hilfe war offenbar vergebens, die Menschen starrten nur auf die leblosen Körper, ein Polizist versuchte den Verkehr zu regeln. Dieses Bild dieser jungen Menschen verfolgt uns noch immer.
     Nun haben wir drei harte Bergetappen hinter uns, viele hundert Höhenmeter sind wir hochgekurvt in den kleinen Gängen. Jutta war ziemlich erschöpft, als wir gestern hier ankamen. Es ist sonnig warm hier oben bei den Minderheiten eines Bergvolkes. Rücksichtslos gerast wird auf diesen Straßen zwar auch, aber wir werden weit weniger gestört und dürfen die Landschaft genießen. Hier oben wurden weitflächig Gummibaumplantagen angelegt – von den Kaffeeplantagen saugen wir süßen Blütenduft ein. Die Behausungen der Bergvolkleute sind aus schlichtem Flechtwerk, zum Teil mit Strohabdeckung. Auch hier oben rufen uns die Kinder viele „Hellos“ zu. Aus einer Schule strömten Erstklässler, es waren mindestens zwanzig. Sie drückten mich schier um, mit meinem Rad. Als ich die Lenkertasche für meine Kamera öffnen wollte, grapschten dutzend Hände danach. Ich konnte mich nur mit einem schrillen Schrei befreien. Hinter jeder Kurve, hinter jedem Hügel Neues, bisher nicht Gesehenes. In den Städten PlayCu und BuonMe Thuot jedoch ein erstaunlicher Wohlstand, wo ich die Massierung der Motorbikes wie den Einfall einer Heuschreckenplage empfinde. Noch 250 Kilometer in den Bergen sind von uns zu durchmessen, bis wir ins Tiefland kommen. Die Quartiersuche kann hier spannend werden. Wenn es kein Hotel gibt, dürfen wir auch nicht privat wohnen oder zelten.
     Irgendwie werden wir es schon schaffen

     Herzliche Grüße an alle von Jutta und Gerhard!

 

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