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Bericht 18:
„Von Kambodscha über Wasser, Sand und Steine hinüber nach Thailand.“ – Seite 1/2


     Wir waren live dabei, als es begann in Pnom Phen – die demonstrierende Jugend mit Tranparenten, Sprechchören und Nationalflaggen, aber nicht in Marschkolonnen, nein auf Motorbikes kamen sie daher, zu Hunderten. Was zunächst nach einer harmlosen Studentendemonstration aussah, eskalierte am Nachmittag und in der Nacht. Wir hörten Detonationen; gleich um die Ecke hinter unserem Hotel brannte ein Geschäftskomplex. Am nächsten Tag hörten wir, dass auch Hotels von Thai-Eigentümern und die Botschaft des im Vergleich zum armen Kambodscha mächtigen Thailands niedergebrannnt wurde. Die Botschaft des Nachbarstaates dem brandschatzenden Mob auszuliefern, könnte als Kriegserklärung verstanden werden. Doch schon in den Tagen darauf hatte sich der entladene Volkszorn beruhigt und die Premierminister beider Länder redeten über die Entschädigung. Und das alles nur, weil eine zwanzigjährige Thai-Film-Diva die Tempelstätten Angkor, das Nationalheiligtum der Khmer für Thailand reklamiert hatte. Uns hat das alles nicht unmittelbar bedroht und Tage später konnten wir ungehindert die Grenze passieren. Die Touristen waren von der Grenzblockade nicht betroffen.
     Ja, wir fühlten uns richtig wohl in Pnom Phen. Wir hatten uns an den Trubel und heftigen Motorbikeverkehr gewöhnt, wenn wir abends loszogen und zum Essen an der Straße saßen. Wir haben uns auch in die engen Gassen getraut , wo uns die Armut anschaute. Die Jugend bestimmt nicht nur das Strassenbild – es ist die starke Mehrheit und es rumort in der Jugend. Studenten haben eine eigene Partei gegründet und wollen mit radikalen Methoden die Korruption bekämpfen.
     Meine Schaltung für die Rohloff-Nabe ist wieder in Betrieb. Der Hausmeister Lohmeier von der Botschaft hat das Problem gelöst. Wir durften auch die Gastfreundschaft von Botschaftsangestellten in Anspruch nehmen; vielen Dank an Frau Hensel.
     Wer erinnert sich noch an die Schreckensherrschaft des Pol Pot und seiner roten Khmer– es ist keine 25 Jahre her. Mehr als zwei Millionen wehrloser Menschen, die Intelligenzschicht von Pnom Phen und aller der Gegnerschaft Verdächtigen wurden ermordet in den „Killing fields“ 15 Kilometer außerhalb der Stadt, wo Berge von Menschenknochen und Schädel ausgegraben wurden. Wir waren einige Stunden in einem zum Museum und zur Gedenkstätte umgewidmeten ehemaligen Gefängnis, wo die Unschuldigen seelisch gequält und physisch gefoltert wurden; hunderte Häftlingsfotos haben wir angesehen. Beim anschließenden Besuch einer Pagode sagte Jutta „Lass uns der Toten gedenken“.
     Mit dem Schiff sind wir auf dem Tkoenle-River Richtung Angkor gefahren. Helfende Khmer stemmten unsere Räder mit ausgestreckten Armen hoch und balancierten damit über die schmalen schwankenden Hühnerleitern auf das schlanke Schiff und später auch wieder herunter. Wir waren unter jugendlichen Packbackern, die auf der niedrigen Reeling des Decks wie Hühner auf der Stange saßen. Wir konnten hinüberschaun auf das von der Moderne unberührte Khmer-Leben am Ufer, wo alte Kahne dümpelten und die primitiven reisstrohgedeckten Hütten auf hohen Stelzen stehen und uns Menschen wie aus einem anderen Zeitalter zuwinkten. Sehr viel näher kamen wir den Flußanwohnern, als sich unser Schiff langsam tuckernd durch stehendes Wasser winden musste. Da konnten wir in die Hausboote schaun. Frauen bruzzelten Fisch oder Fleisch und schickten uns Duftproben herüber. Kinder schaukelten in der Hängematte. Männer bewegten stehend kippelige Holzboote mit dem Rührpaddel und dazwischen knatternde dieselstinkende Außenbordmotore. Als Allerletzte haben wir das Schiff verlassen und schoben unsere schweren Räder durch tiefe Mulden, Sand und grobe Steine, vorbei an dort stehenden erbärmlichen Hütten und ihren Bewohnern. Kleine Kinder laufen nackt umher und uns umwehte ein widerlich süßer Geruch. Und wieder die besorgte Frage „Wovon leben diese Menschen?” und ich erwiderte „Welche Zukunft werden diese viel zu vielen Kinder haben?”
     Meine Jutta reagierte gereizt auf dem weiteren Weg nach Siemrap, die Stadt am Rand von Angkor; es waren nur 17 Kilometer. Am nächsten Tag fühlte sie sich krank – da wurden Erinnerungen wach an die heißen Tage in Zentralasien und ihre beginnende Erkrankung. Heiß hatten wir es ja hier auch. Sie hat die Krise mit Willenkraft überwunden und schon am nächsten Tag ließen wir uns auf einem Motorbike hinausfahren nach AngkorWat, AngkorTum und die angrenzenden Pagoden. Ja ,es sind einzigartige Kulturdenkmäler, die uns in ihren Bann gezogen haben. Gut erhalten sind die Reliefs an den Aussenmauern. Auf hundert Metern oder mehr sind kämpfende Krieger in die Steine gefräst – großformatig, wiederholend die Götter der Schamanen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Die mächtigen dominaten Türme leiden unter Verfall, die Sandsteine erodieren. Jutta hat den Tag tapfer durchgestanden und wir haben uns wieder auf den Weg gemacht – 103 Kilometer bis zur nächsten Stadt.
     Nach 35 Kilometern endete die geflickte Teerstraße. Staubfahnen voraus kündeten harte Stunden an. Nach den Seiten weitete sich der Blick über weite trockene Felder mit dürrem Stroh und Gras, weite Flecken waren abgebrannt. Zur Straße hin Dümpel mit roter und brauner Brühe. Aber auch hier leben Menschen. Ich ging auf einige Hütten zu, verbeugte mich und war willkommen. Lachend und heiter begrüßten mich die Frauen. Drei Generationen leben zusammen. Die wenigen Alten sitzen apathisch im Schatten, die Kinder tollen umher wie wo anders auch. Die Frauen sorgen für das Essen. Eine wirklich schöne junge Frau watete bis zu den Knien im Morast und zog einen Käscher durch die zähe Brüh. Einige kleine Fische, nicht länger als 10 Zentimeter, holte sie heraus. Die Straße wurde zur Tortur in der Mittagshitze. Es blieb uns nicht einmal ein schmaler Randstreifen. Erbärmlich wurden wir durchgerüttelt auf den spitzen Steinen des Untergundes; der deckende Sand war ausgeblasen. Die Brücken sind aus dem vorigen Jahrhundert, mit Holzbohlen oder schwankenden Gitterrosten belegt. An einer Staßenbaustelle mussten wir anhalten. Da wurde vorsintflutig gearbeitet. Frauen trugen im Weidenkorb den ausgeschaufelten Dreck auf die andere Seite (es gibt keine Schubkarren). Und sie schichteten große Steinbrocken in die Straßenlöcher. Jutta gab einer von ihnen die Hand. Die so Gegrüßte wollte ihre Hand gar nicht mehr loslassen. Aber auch sie alle waren heiter und lachten. Die Staubfahnen der auch im Schotter preschenden Autos legten sich über uns wie schmutzige Nebelfahnen. Für einige Stunden teilten wir das Schicksal der an der Straße lebenden Menschen – wie Mehltau hatte sich der lehmige Staub über ihre Hütten, ihr armseliges Hab und Gut und über die Palmen gelegt. Wir erreichten Sisophon. Wir beide und unser Material hatten diese hoffentlich einmalige Belastungsprobe bestanden. Wir legten uns erschöpft auf die Betten.
     Am Abend erschreckte mich ein gellender Schrei meiner Frau ”Jiiiiii, hier sind Kakerlaken, ganz große Viecher”. Ich konnte sie vertreiben, auch in der Nacht – vor jedem Gang zur Toilette. Am Nachmittag hatten wir im nahen Markt gesehen, dass diese schwarzen Käfer zur Verspeisung angeboten werden. Vielleicht war das ja eine ganz besondere Art, aber es waren Kakerlaken.

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