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Bericht 19:
„In den heißen Süden Thailands.“


     Es ist eine lange Wegstrecke hinunter nach Südthailand, durch diesen schmalen Korridor, wo sich Thailand bis auf 20 Kilometer von der Küste bis zur burmesischen Grenze verengt, an der Grenze zu diesem von der Moderne noch sehr unberührten, aber für uns Radfernfahrer versperrten Land. Würden wir auf dieser sicher stark frequentierten Verkehrsachse für uns Radler zumutbare Bedingungen vorfinden und wie stark wird uns die tropische Schwüle bremsen? Eigentlich war ich im Zweifel, ob wir das mit eigener Kraft schaffen können, denn unser Zeitpolster ist enger geworden durch die Unterbrechung und den Umweg über Kambodscha. Doch schon am ersten Tag, als wir aus dem Touristenghetto Hua Hin ausgebrochen waren, wurde unser sportlicher Ehrgeiz geweckt, da leisteten wir uns auch noch einen Umweg über einen Nationalpark. Knapp 700 Kilometer haben wir heruntergestrampelt in sechs Tagen, da konnten wir uns zwei Ruhetage gönnen und hier in NokhanSiThammarant leisten wir uns zwei Nachte in einem Superhotel – ein anderes gibt es hier nicht für 25 Euro die Nacht, der Komfort ist hier unglaublich billig zu haben. Im großen Swimmingpool waren wir die einzigen Gäste.
     Früh um halb sieben haben wir unsere Stahlrösser gesattelt. Einmal, als wir in einem kleinen Häuschen geschlafen hatten, war es noch stockdunkel, als wir unsere Räderl zur Tür hinausbugsierten. Dann kam ganz schnell die Helligkeit mit gelbem Licht vom Osten und wir erlebten das Phänomen der kurzen Dämmerung in Equatornähe. Der glatte; Randstreifen, der für Radler und Motorbiker reserviert ist, verleitet zum schnellfahren. Da werden Renninstinkte geweckt, wie auf dem Rennrad in Training und Wettkampf. Nur dass jeder von uns noch 40 Kilogramm mehr zu bewegen hat.
     In kurzen Abständen kamen die Kilometersteine auf uns zu und die lang gezogenen Anstiege konnten uns auch nicht schrecken, recht flott kurbelten wir hoch. Das fördert auch den Übermut. Da zog meine Frau im Wiegetritt im Stil des Toursiegers Lance Armstrong an mir vorbei. Das hat mich schon deshalb verblüfft, weil sie eine Stunde zuvor noch erbrochen hatte und ich schon Schlimmeres ahnte. Da musste ich natürlich kontern und rief ihr im Vorbeifahren zu, der Löwe kommt.
     Meist waren wir schon zur Mittagszeit an unserem Tagesziel. Gestern waren wir so früh dran, dass wir noch die nächste Tagesetappe dranhängten. Nach 146 Kilometern haben wir nachmittags um drei unsere vollbepackten Räder an den verblüfften Hotelboys in die feudale Hotellobby geschoben. Der schwülen Hitze können wir jedoch nicht entgehen, so gegen 10 Uhr schickte uns die steil aufgestiegene Sonne ins Schweißbad und zwang uns zu Zwischenrasten; spätestens dann, wenn die schweißnassen Hände so seifig geworden waren, dass sie am Schaltgriff abrutschten. Aber auch auf dieser Straße, wo wir im Lärm der dröhnenden seelenlosen Motoren keine menschlichen Regungen erwarten durften, wurden wir als Exoten erkannt und beachtet. Die überholenden Motorbiker rufen uns zu und aus den hohen Fenstern der mächtigen Laster sehen wir winkende Hände.
     Einmal saßen wir zu einer kurzen Rast an einer Bushaltestelle. Da hielt ein Laster an, der Fahrer kam zu uns heran und wollte uns aufladen. wir konnten dieser Versuchung widerstehen, so gut wie wir drauf waren, obwohl wir noch 65 Kilometer vor uns hatten und wir im Schweiß trieften. Vielleicht fallen wir auch deswegen so stark auf, weil die Radfahrer in Thailand ausgestorben sind. Auch die Unterpriviligierten können sich offenbar ein Motorfahrzeug leisten, auch wenn es ein uraltes, stinkend tuckerndes ist. Wir haben auch nicht ein Kind auf einem Fahrrad gesehen. Welch ein Gegensatz zu Vietnam und Kambodscha. Nur sehr vereinzelt sind Fahrräder zu sehen, auch die Fahrer wirken von ihrer Kleidung her wie Zeugen einer vergangenen Epoche. Wohltuend ist, dass sehr wenig gehupt wird und wir als Verkerhrsteilnehmer bei Einfahrten meist ernst genommen werden.
     Die Landschaft ist geprägt von Kokospalmen, weit hinüber stehen sie hoch aufragend und solitär bis zu den Bergrücken im Westen. Es ist Erntezeit, Berge von Kokosnüssen sind zu sehen. Arbeiter schenkten uns zwei riesige Nüsse, die sie oben vorsichtig öffneten. Sie waren randvoll mit Kokosmilch, mehr als ein halber Liter war da drin. Wir schwelgen in tropischen Früchten. Bananen, auch hier nur büschelweise zu haben, zuckersüße Mangos, die auf der Zunge zergehen, Ananas, von den Straßenhändlerinnen essfertig zubereitet mit betörendem Aroma, Papayas, Litschis, Melonen, Mandarinen und andere bei uns nicht bekannte tropische Früchte. Jede Frucht mit einem anderen Aroma.
     Ich muss gegen Mittag eine Nudelsuppe haben, das brauche ich schon wegen der Salze. Wir können nach wir vor weder verdursten noch verhungern in Ostasien. Diese vielen Straßenhändler und zahlreichen Suppenküchen werden wir sicher in Übersee vermissen. Unsere Gedanken gehen nämlich schon voraus nach Australien. Zunächst aber steuern wir Malaysia an und sind gespannt, wann uns die ersten Monsunregengüsse erwischen, den wir bisher entgehen konnten.
     Herzliche Grüße von Jutta und Gerhard!

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