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Bericht 21:
„Singapore, für uns ein Gipfel“

      In drei Tagesetappen wollten wir den unteren Zipfel der malaysischen Halbinsel erreichen, als wir uns in der Touristenhochburg Port Dickson auf unsere Räder schwangen, nach dem Frühstück unter Palmen am Pool. Der sich zuspitzende Keil der Halbinsel ist nach Osten verbogen. Ich erinnerte mich daran, als ich in diesen Tagen an Stand der steigenden Sonne erkannte, dass uns die Strasse zeitweise nach Osten führte. Wir kamen an gepflegten Gärten vorbei mit viel Blüten in Hainen von Palmen, mit Holzhäusern im traditionellen malaysischen Stil, wie uns gesagt wurde, als ich bei einem Halt von einem Hausherrn begrüßt wurde. Mit einigen Richtungsschwenks und windungsreichen Strassen kamen wir nach Melaka, einer noch größeren Touristenhochburg. Aus dem nördlich nicht weiten Kuala Lumpur und dem südlichen Singapore fallen hier die Wochenendurlauber ein. Die Bettenburgen sind entsprechend dimensioniert, kleine Wolkenkratzer haben wir kopfschüttelnd wahrgenommen, sehr schmal und extrem hoch
      In einem Stadthotel sind wir gut untergekommen, das war auch am Wochenende nicht ausgebucht. Mitten in der Altstadt verunstaltet eine riesige Bauruine mit hässlichen Betonpfeilern und rostigen Moniereisen die City. Gleich in der Nähe prangt mit Glanz und Pomp ein Luxushotel, das vom aussehen her alles Vergleichbare in den Schatten stellen will.
      Bathu Pahat, unsere nächste Station überraschte uns mit modernen Geschäftsvierteln und einigermaßen sauberen Strassen. Doch viele Läden und Restaurants waren geschlossen. Die kurzen Öffnungszeiten waren. Welch ein Unterschied zu den quirligen und rastlos werkenden Vietnamesen und ihrem unverfälschtem natürlichen Charme.
      Zur letzten Etappe über 130 Kilometer starteten sie im ersten Morgengrauen. Zunächst zwei Stunden auf eingeengter Fahrbahn durch eine Aufschüttung für eine Straßenerweiterung, wofür offenbar das Geld knapp geworden ist..
      Es war verführerisch für die letzten 90 Kilometer auf die Autobahn zu schwenken. Damit war aber meine Jutta gar nicht einverstanden. So rollten wir auf der Nr. 1 Südostwerts. Wie in den Tagen zuvor schaute ich nach Regenwolken aus, da waren aber keine. Wir waren hier im Süden wieder von trockener Landschaft umgeben. In dieser Zeit regnet es da selten, wurde uns gesagt. So werden wir trockenen Fußes vom nördlichen Vietnam herunterkommen. Ich hatte Regenschauer nicht gefürchtet, in dieser Wärme trocknet es schnell.
      Gegen Mittag rief mir meine Frau ein lautes Stopp zu und da gehorche ich natürlich immer sofort. In Ihrer Fürsorge hatte sie nach einer Suppenküche Ausschau gehalten, oder Garküche wie sie sagt. Die gleißende Sonne hatte fast den Zenit erreicht und strahlte unbarmherzig grelle Helligkeit und Hitze aus. 40 Grad hatte Jutta an ihrem Computer abgelesen. Da tat ein Schattenspendendes Dach gut und wir hatten die Abkühlung so nötig wie Trinken und eine Suppe. Die Bottiche für das Vorgekochte Essen waren abgedeckt und die jungen Männer machten den Eindruck, als ob sie den Laden schließen wollten. Doch da war noch ein älterer Mann, es war der Vater, wie sich herausstellte. Auf seinen Wink kochten die Söhne für uns eigens eine Gemüsesuppe. Wir tranken Eistee, das ist eine mal. Spezialität, Der heiße Tee wird mit gesüßter Kondensmilch versetzt und mit Eiswürfeln abgekühlt. Einer der Söhne presste für uns frischen Zuckerrohrsaft. Der Vater stand zunächst zögernd bei uns, setzte sich dann an unseren Tisch und wollte einiges wissen über unsere Reise.
      Er fragte mich schließlich, wie alt ich sei. Als er das hörte, schaute er überrascht, ja eigentlich bewundernd und plötzlich schossen ihrem Tränen in die Augen „unbelievable, you are very strong“ Er sei 69 Jahre, seine Beine wollen ihn nicht mehr recht tragen, er zeigte uns sein lädiertes Knie. „God bless you“ sagte er ergriffen, als er mich umarmte. Ich fragte ihn ob er Christ sei, nein Moslem, aber ob Christ Moslem oder Buddhist sei nicht wichtig. Seine Einzige Reise ins Ausland führte ihn nach Mekka. Als wir zahlen wollten, wies er da ganz entschieden ab. Er war sehr gerührt, al s ich ihm unsere Reisevisitenkarte mit unserem Bild in die Hand drückte und er schaute uns mit seinen Söhnen aufmerksam nach als wir zur anderen Straßenseite hinüberwechselten. Das war der letzte Halt vor der Grenzstadt Johor Bharu. Mit sicherem Instinkt hatten wir dort die letzte Abzweigung zur Innenstadt gefunden und auch sehr schnell ein passendes Hotel
      Nach unserem ersten Bummel sagte meine Frau, das ist hier wie Sodom und Gomorrha. Hochhäuser und moderne Einkaufszentren sollen den l/Glanz einer modernen Grosstadt verbreiten, wie im nahen Singpore. Auch hier stören hässliche Bauruinen, Die Seitenstrassen sind schmutzig, häufig mussten wir aufgerissenen Straßenlöchern ausweichen. An den Bordsteinen hockten Männer und dosten vor sich hin.
      Sehr schnell waren wir am nächsten Tag an der Grenze und folgten dem Schild „Motorbikes“, für Radler und Fußgänger gab es keinen Straßenstreifen. Sehr schnell erkannten wir auch, dass wir in die rush our geraten waren. Wir wurden eingekeilt von knatternden Motorrädern. Auf der bekannten Grenzbrücke stauten sie sich vor uns, es waren hunderte, und hinter uns schlossen sie auf, knatternd und stinkend auch im Stand. Einige hatten Tücher vor den Mund gebunden, mit stoischem Blick, ihrem Schicksal ergeben, dass ihnen täglich widerfährt. Das muss eine bewusste Schikane sein, denn die einfachen Leute fahren täglich zur Arbeit hinüber und müssen sich stets erneut ausweisen. Nach einer Stunde waren auch wir drüben und fuhren einen nahen Parkplatz an. Hier hatten wir uns mit Herrn Wolf, dem Niederlassungsleiter unserer Bankfiliale verabredet. Er hatte uns unterwegs einige Male gemailt und Reiseempfehlungen gegeben. Nun waren wir also da, nach 4200 geradelten Kilometern von ganz oben aus dem winterkühlen Hanoi bis zum untersten Ende des Festlandes. Darauf durften wir schon ein wenig stolz sein. Wir begrüßten uns herzlich, wie weit war Singapore zunächst weg von uns, allen Gefährdungen auf den Strassen unterwegs haben wir getrotzt und topfit mit einem Hochgefühl sind wir angekommen. Wir hatten kaum Luft geholt, da scherte ein Kleinbus mit dem Kamerateam für das Fernsehen ein. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Die wollten uns radelnd filmen und so kurvten wir eine halbe stunde ihren Bitten entsprechen herum. Fotografen waren auch erschienen. Jutta beklagte sich „schon wieder diese Öffentlichkeit“ Dann mussten wir noch mal kräftig in die Pedale treten, immerhin hatten wir noch 25 Kilometer bis zum Hotel. Wir fuhren hinter dem BMW des Bankchefs hinterher, der Fahrer zwang uns zu einem Tempo zwischen 25 und 32 km/h, doch wir waren in Hochstimmung und hatten nichts dagegen, es war eine Schau. Zeitweise hatten wir den TV-Kleinbus neben uns und die Kameraleute hatten uns aus der offenen Tür im Visier.
Im Firstclass Hotel Orientel hatte der Bankchef für uns reserviert und hätte keinen Widerspruch meiner sparsamen Frau zugelassen. Das sollten wir uns doch für einige Tage gönnen, wie sich herausstellte zu einem Vorzugspreis. Der Autoverkehr durch Singpores Strassen ist ruhig, es waren kaum Großfahrzeuge unterwegs, wir fuhren durch Parks und Grünanlagen, die architektonisch imposanten Hochhäuser stehen solitär mit noch ausreichenden Abständen in der durch die sehr begrenzten Fläche erzwungnen Verdichtung.
      Dann bogen wir zur weit geschwungenen Hoteleinfahrt de Orientelhotels ein. Und da waren wir , ohne es geahnt zu haben, plötzlich Mittelpunkt, nicht die noch so noblen Karossen erregten Aufmerksamkeit, nein wir auf unseren bepackten Rädern waren der Hit, wir waren die VIPs. Vor dem eleganten Hoteleingang hatten uns der deutsche Hotelmanager, Herr Hörth mit seiner Führungsmannschaft erwartet. Wir waren baff, Zuerst wurden uns Handtücher und Mineralwasser gereicht, wir waren ja auch klitschnass angekommen. Dann wurden uns Blütenkränze umgehängt Und wieder wollten sie uns radelnd fotografieren und filmen. Von allen Seiten wurden uns Visitenkarten zugesteckt, von den TV-Leuten, den Journalisten und den Hotelmanagern. Wir konnten nur freundlich zunicken und uns bedanken. Dann wurden wir zu den Interviews in die Hotelhalle gebeten. Vorher durften wir uns duschen und wurden von einer PR-Managerin zu unserem Zimmer geführt. Als wir da eintraten, schauten wir uns erstaunt an „Wie im Märchen“. Das war eine fürstliche Suite mit zwei großen Räumen und einem Badezimmer, von dem Frauen träumen mögen. Auf dem Tisch neben herrlichen Orchideen eine Torte, verziert mit zwei essbaren Fahrrädern und einer persönlichen Widmung. Wir kamen gar nicht richtig zur Ruhe in diesen drei Tagen. Am Abend noch ein Interviews mit der Moderatorin, ein gemeinsames Essen mit dem Bankchef, ein Besuch in der Bank. Allen 70 Mitarbeitern wurden wir vorgestellt, alle hatten gespannt auf unseren Besuch gewartet. Noch ein gemeinsames Essen mit den Bankleuten. Fast hätten wir uns im Fernsehen verpasst. Der TV-Spot mit uns kam am Schluss einer beliebten Abendsendung. Zweimal waren wir dort angekündigt, einmal vor einem Werbeblock.
      Die Publicity kam uns am Tag unserer Abreise zugute. Als wir zum Flug eincheckten, wussten die Sicherheitsleute zunächst nicht, ob und wie sie unsere Räder durchleuchten sollen. Da eilt eine höherrangige Frau herbei und führte uns zu einem Spezial-Check in, beiläufig sagte sie mir: Ich habe sie im Fernsehen gesehen. Etwa fünf Leute bemühten sich ums uns. Die von mir befürchtete Zuzahlung wegen unseres Übergepäcks war überhaupt kein Thema. Sie waren auch sehr besorgt, dass unserer Räder ungeschädigt ankommen, und so war das auch. Die Flugreise konnten wir auf den begehrten vorderen Sitzen mit Fußfreiheit genießen. Wiederum eigentlich schade, noch einige Tage hätten wir in Singapore bleiben sollen. Den Abstecher nach Bali haben wir uns erspart. Das ganze Drum herum für nur drei Tage hätte sich nicht gelohnt. Nun sind wir in Perth, am Tag unserer Ankunft war es mit 40 Grad die heißeste Stadt nicht nur Australiens, sondern der ganzen Welt. Das mit der Hitze kann nur bese4r werden, denn wir gehen hier dem Herbst entgegen. Ich hab noch ein Problem mit dem Schaltsystem meiner Rohloff-Nabe. Der Mechaniker hatte entdeckt, dass eine winzige schraube fehlt. Er hatte die Räder so sauber gereinigt, dass wir ungehindert damit einreisen durften. Mit den Lehmspritzern aus Kambodscha hätten wir sicher Probleme bekommen
      Die keine Schraube ist auch in Perth nicht zu haben. Wir lassen sie nach Norseman schicken, die letzte Station am Eingang zur Nullarbor-Wüste. Nun hoffen wir, das die Schaltung noch so lange arbeitet und die schraube rechtzeitig ankommt. Am 12. März wollen wir los hier, wir müssen wieder aufs Rad, neuen Abenteuern entgegen.
Jutta und Gerhard Krauss