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Bericht 26:
Abschied von Adelaide / FIJI

      Es war ein harmonischer angenehmer Ausklang in den letzten Tagen vor unserem Abflug in die Tropen. Ostern mit wohltuend herbstlicher Wärme. Mit unseren Gastgebern saßen wir oft und lange zusammen, wir hatten uns viel zu erzahlen. Es beruhigte unser schlechtes Gewissen, wenn uns beide versicherten, sie hatten keine anderen Pläne für Ostern und sie würden ja auch von unserer Anwesenheit profitieren, wenn sie Menschen mit Gleichgelagerten Interessen um sich haben. Sie haben sehr häufig Radler zu Gast und lassen sich dabei von dem idealistischen Prinzip der Gegenseitigkeit leiten. Doch nur wenige werden die empfangene Gastfreundschaft an andere weitergeben können. Sicher nicht die beiden jungen Deutschen, die im letzten Jahr sechs Wochen geblieben sind, wie wir erfuhren. Wir haben drei Ihrer erwachsenen Kinder mit ihren Familien kennen gelernt. Das zwölfte Enkelkind lag noch im Schoss der Mutter als wir zu Besuch kamen, drei Tage später war das Mädchen da. Das waren auch interessante Gespräche mit sympathischen Menschen. Margret &Graham haben offenbar ein sehr gutes Verhältnis zu ihren Kindern.
      Koalas, diese lieben wie Teddybären aussehenden Baumbewohner, haben wir nach nur wenigen Radminuten in einigen Astgabeln kauern sehen. Die schlafen ja 20 Stunden am Tag und sind nachtaktiv. Ihre Nahrungsquelle sind die Blätter einiger weniger der insgesamt 700 verschiedenen Eukalyptussorten Margret und Graham haben einige dieser Koala-Baume nachgepflanzt in ihrem Garten. Die beiden kennen alle Radwege im weiten Umkreis von Adelaide, wir mussten nur hinterherfahren auf den zeitweilig sehr engen Wegen. Es war eine Freude, ohne Gepäck mit massigem Tempo. Da konnten wir uns voll dem Landschaftsgenuss hingeben: sattgrüne Parks, Bachläufe, Baumgruppen und viele Blüten in den Gärten und Anlagen. Es war ein ganz anderes Radfahren als auf dem Highway.
      Einige Tage vor unserer Abreise hatte die beiden ein starker Husten heimgesucht, das hatte uns schon ein wenig beunruhigt. Sie ließen es sich jedoch nicht nehmen, uns am Abflugtag, dem Ostermontag sehr früh am Morgen zum Flughafen zu fahren. Eine kurze herzliche Umarmung zum Abschied, ja wir wollen die beiden wieder sehen, am liebsten bei uns zuhause.
      Ein Abflug mit Fahrrädern treibt den Puls an, das beginnt beim Einreihen in die Warteschlange. Ich mit dem Gepäckwagen in der Warteschlange, Jutta seitwärts an den Rädern. Prompt kam die böse Überraschung, die Räder müssen in eine Box. Lange hatte die junge Frau im Flight Center mit den drei Fluggesellschaften auf meinen Wunsch telefoniert bis sie die Zusagen hatte, keine Zuzahlen wegen Übergewicht und keine Bikebox erforderlich. Meine Überzeugungsversuche beim herbeigeeilten Aufsichtsbeamten waren fruchtlos, kurz und barsch die Antwort: ohne Box kein Flug! Dann schob er zwei halblädierte Kartonagen aus einer Tür, verschwand und vervollständigte damit die Reihe der unangenehmen Aussis. Diesmal war es meine Frau, die zur Ruhe mahnte, immerhin haben wir die Kartonagen, aber würden da unsere großen Räder reinpassen, das ist nämlich meist das große Problem. Recht uns schlecht verstauten wir die Räder, nur das Vorderrad musste herunter, Lenker und Sattel ragten oben weit heraus. Klebeband hier, Klebeband da, es wird hoffentlich halten. Dann musste ich die Kisten zum Einchecken schleppen und anschließend weit nach hinten zu einer grünen Tür. Im Aussiland wird dir dabei nicht geholfen, wie in anderen Flughäfen. In letzter Minute sind wir in das Flugzeug gekommen, das war knapp.

FIJI
      Dreimal stiegen wir mit dem Flieger hoch und wieder herunter, erst in Sydney, dann in Auckland bis wir schließlich in Fiji angekommen waren. Dabei verspürten wir beide heftige Ohrenschmerzen und wurden von kaum zu unterdrückenden Husten und Niesanfällen heimgesucht, da hatte sich also der australische Virus auch bei uns eingenistet. Den weittestentferntesten Punkt unserer Reise hatten wir erreicht, an der Datumsgrenze, der europäischen Uhr zwölf Stunden voraus und wir saßen leicht benommen am Gepäckband und warteten mit Unbehagen auf unsere Fracht. Sie kam an, zuerst wurde mein Vorderrad durch die Tür gereicht, mit kleiner Verzögerung lag dann auch der Rest meines Rades auf dem Boden. Jutta rief mir laut zu und ich eilte schon, wir mussten ja auch die Kartonbox haben oder die Reste davon. Die bikebox mit Juttas Rad war nur leicht beschädigt, dafür war meine Gepäcktasche, in der wir die Packtaschen verstaut hatten, weit aufgerissen. Doch es fehlte nichts. Es war 11 Uhr nachts und wir hatten noch kein Bett. Eine Polynesierin schleppte mich zum Touristenbüro, langsam schlenderte sie vor mir her, ein Liedlein summend. Ich schärfte ihr ein, dass wir einen Kleinbus für unser Gepäck brauchen. Unsere Kartonagen durfte ich im Büro abstellen, auf den Kleinbus haben wir aber eine Stunde gewartet.
      Unsere Freude im Südseeparadies war zunächst getrübt, zwei Tage haben wir tiefgründig gehustet. Dann konnte uns jedoch nichts mehr halten im stadtnahen Motel in dem ich mich eingeengt fühlte, obwohl wir im geräumigen Innenhof einen tropischen botanischen Garten vor Augen hatten. Wo ist der Pazifik? Die touristischen Glanzlichter sollen die vielen kleinen Inseln sein. Auf jeder dieser Insel bietet sich nur ein Ressort an, was allein schon einen hohen Preis ankündigt. Auf alle Fragen, die wir stellten kam das Angebot einer Vorbuchung mit Bus und Boottransfer. Nein, wir wollten frei sein und schwangen uns auf unsere Räder.
      Wir fuhren in die Mittagshitze hinein, denn wir wollten nicht weit an diesem Tag. Dann dauerte es doch sechs Stunden, ehe wir ankamen. Ich fühlte mich schwach, die Grippe hatte mich noch nicht verlassen. Die neuen Eindrücke lenkten uns ab, es interessierte mich nicht, wie schnell wir waren, mein Tacho war auch ausgefallen
      Fiji lebt vom Zuckerrohr und dem Tourismus. Das lässt einen bescheidenen Wohlstand zu, denn wir kamen an schmucken Dörfern vorbei, geschorener Rasen zwischen den bescheidenen aber sauberen Häusern, keine trennenden Zaune „Hola” ist das Grußwort der Fijianer. Wir hörten es oft in diesen Tagen, nicht als Routinefloskel, mit wohlwollend freundlichem Lächeln kamen die Grüße an. Wir waren ja wieder mal die Exoten, und wenn sich zwei weisgesichtige die Berge in der Mittagshitze hochplagen, dann verdient das offenbar einen besonderen Gruß. Braungebrannt sind wir ja und weder die steile Sonne in Südostasien, aber auch nicht die im Ozonloch Australiens konnte uns was anhaben. Im Vergleich zu den kaffeebraunen Inselbewohnern schauen wir natürlich eher blass aus.
      Das wie Mais hochwachsende Zuckerrohr wächst nicht in eintöniger Monokultur. Da sind zu den Hügeln hoch auch viel Wiesen und andere tropische Pflanzen zu sehen. Und Vögel zwitschern in anderen Lauten. Es ist sehr bergig auf der Hauptinsel und wir mussten wieder mal drüber und es bot sich kein Schatten für Verschnaufpausen an. Jutta war besser drauf als ich und erst mal wieder besorgt km mich. Als wir endlich einen Baumschatten erreicht hatten, ich mir den Schweiß aus dem Gesicht wischte und zu den Serpentinen hinaufschaute, entfuhr mir der Ausruf: „Ich hol meine Liegematte raus und hau mich in die Büsche!“ Doch wir erreichten die Anhöhe und hatten erstmals einen grandiosen Ausblick zur Küste und einigen Inseln. Hier müssen noch alle tropischen Früchte wachsen, wo sind die Straßenverkäufer? Erst nach Stunden trafen wir einige an, sie hatten nur ein spärliches Angebot von Bananen und Papayas. Ein empfohlenes Hotel erwies sich als Flop, aus der Bar unter den Zimmern dröhnte infernalischer Lärm. Noch zehn Kilometer, na klar, das schaffe ich doch, versicherte ich meiner Frau. Aber vorher muss ich was zu essen und trinken haben. Ohne Unruhe gondelten wir am Spätnachmittag dahin, im schrägen Licht leuchtete der tropische botanische Garten um uns herum auf und zwischendurch konnten wir zum Strand hinüberschauen. Na also, hier könnten wir doch bleiben, wenn es eine Herberge gibt. Wie gerufen kam ein kleines Hinweisschild in Sicht, ich deutete darauf und Jutta nickte mir zu. Zunächst sah das aus wie eine private Wohnanlage in einem gepflegten Garten. Als uns Zweifel kamen, näherte sich ein junger Mann. Auffallend schüchtern und sehr höflich war er, als er uns die Appartements zur Besichtigung aufsperrte. Frisch renoviert und behaglich eingerichtet für 22 Euro, hier bleiben wir. Wieder einmal angekommen, riefen wir uns zu, wie immer dann, wenn es etwas länger gedauert hat, die Herbergssuche.
      Dann kam der Juniorchef und begrüßte uns. Wir unterhielten uns lange mit ihm, er nahm sich Zeit und interessierte sich für uns. Als wir ihm sagten, dass wir diese persönliche Atmosphäre schätzen, was wir in Australien oft vermisst hatten, brachte er es auf den trefflichen Nenner: „fast, fast, fast, money, money, money”. Vorher durften wir Essen bestellen, extra für uns wurde im Nachbargebäude gekocht, Das dauerte zwar eineinhalb Stunden, aber wir hatten ja Zeit. Am nächsten Morgen kamen beide jeder mit einem Tablett zur Tür, auf dem das Frühstück angereichtet war. Bevor sie das abstellten, machten sie eine leichte Verbeugung. „Die beiden verehren Dich“, sagte Jutta. „Na ja“, erwiderte ich „du weißt ja in den ärmeren Ländern werden die älteren Menschen mehr geachtet als bei uns.“ Da werden die Alten auch noch um Rat gefragt. In den Tagen darauf hatten wir uns am Strand eingemietet, zuletzt im kleinen Hotel Casablanca mit Terrasse zum Meer, einem Haus mit Patina, aber auch viel Charme. Da kam ich endlich ins Meer zum Schnorcheln in der Lagune, die Wellen brachen sich weiter draußen an den Korallenbänken. Ich musste immer die Flut abwarten, auch dann war das Wasser nicht sehr hoch und erlaubte kein sportliches kraulen. Ich hatte einige Male mit den Armen beim Durchziehen in die Korallen gekratzt. Also mehr Schnorcheln, mit der Schwimmbrille, ich ruderte flach in einem Aquarium, tintenblau lagen Seesterne am Grund, Korallen in unterschiedlichen Farben und die vielen bunten Fischlein, die da an meinem Auge vorbeizogen .
      In der letzten Nacht vor unserer Rückfahrt hat es anhaltend geregnet und es war kühler geworden. Wir hatten schon einen Regentag erwartet. Doch es blies nur ein starker Wind, diesmal von der richtigen Seite. Die Berge kam ich diesmal leichter hoch als Jutta, mein Husten war weg, vielleicht hat das Salzwasser geholfen. Jutta hustete noch. Deswegen ist unser letzter Radausflug in den Norden etwas kürzer ausgefallen. Nun wollen wir uns noch etwas entspannen in den allerletzten Tagen in den Tropen. Die Ostrichtung unserer Weltumradlung hat uns bisher mit jedem Kilometer weiter weg geführt von zuhause. Ab jetzt führt der Ostkurs heimwärts, zunächst mit dem Flieger weit hinauf, Nordost, in die nördliche Hemisphäre, wo wir von Vancouver aus den amerikanischen Kontinent schnurstracks nach Osten unter die Pedale nehmen wollen. Auf ein Neues.

      Jutta und Gerhard