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Bericht 27/28:
In den Frühling nach Vancouver Island

     „Mit dir kann ich was erleben”, war das seufzend oder ein freudiger Ausruf meiner Frau, als unser Flugzeug auf Fiji abgehoben hatte und wir uns an den Händen fassten. Es war der 1.Mai um 22.45, die Insel grüsste mit ihren Lichtern zum Abschied aus den Tropen zu uns herauf. Wir hatten den längsten Himmelsritt unserer Reise vor uns, 11.000 Kilometer nach Nordost. Am frühen Abend des 1. Mai würden wir ankommen in Vancouver nach 18 Stunden. Gleichsam mit dem Überfliegen der Datumsgrenze steuerten wir die andere Hälfte des Erdballes an, Richtung Heimat. Wieder waren stressige Stunden vorausgegangen. Das flicken unserer lädierten Bikeboxen in der Abflughalle dauerte länger als geplant, wieder schleppten wir in verschiedene Richtungen und dann das Anstehen in langen Warteschlangen. Erstmals mussten wir unsere Packtaschen öffnen. Eine Polynesierin kramte ratlos in unserer Ersatzteilbox und machte dann eine resignierende Handbewegung. Das war ja noch harmlos, was würde uns in Los Angeles erwarten. Bei einem Weiterflug in einem internationalen Airport geht man mit dem Handgepäck zum Abfluggate, nicht jedoch in LA! Die Fluggäste müssen hier das vollständige und gründliche Procedere einer Einreise und Ausreise über sich ergehen lassen. Auch unser Gepäck mussten wir aufnehmen, in Warteschlangen durch die verschiedenen Kontrollstellen mit unseren sperrigen Boxen. Das nach dem berühmten 11. 9. nervös erhöhte Sicherheitsbedürfnis der Amerikaner hat viele Arbeitsplätze geschaffen. Wir hatten ca. acht Kontrollen zu durchlaufen. Wir wollten es gelassen nehmen. Immerhin waren die Beamten nicht arrogant, wie ich das schon erlebt hatte. Das ist offenbar ein kleines Zugeständnis an die notleiden Fluggesellschaften und den Airport. Wir würden auch nicht noch einmal einen Zwischenstopp in LA buchen, wenn es nicht unbedingt nötig wäre.
      Diesmal war die Box meiner Frau aufgerissen, das Vorderrad lag lose obenauf. Als wir die Boxen zum überdimensionierten Durchleutungsgerät mit modernster Technik gezerrt hatten, passten die da nicht rein, so musste die Technik manuell ersetzt werden. Je ein Beamter hievte eine Box auf eine Art Seziertisch. Der eine schnitt kurzerhand den von meiner Frau vorher sorgsam verklebten Karton wieder auf. Meiner Jutta entfuhr daraufhin der Ausruf "Warum sind wir nicht nach Südamerika geflogen" Der Beamte griff einiges am Rad ab und klebte wieder zu. Der andere Beamte gleich daneben, der vor meiner Box stand, machte ein so konzentriert ernstes Gesicht, als ob das Schicksal der Nation von seiner Sorgfalt abhinge. Er leuchtete mit der Taschenlampe durch die Öffnungen, langte dann hinein, nahm einen Abdruck, den er unter ein Prüfgerät legte. Er konnte nichts Gefährliches entdecken. Die Ankunft in Vancouver war wohltuend ruhig, schnell waren wir durch und wir konnten endlich die Kartonagen loserden. Schon eine Stunde später fanden wir den ersehnten Schlaf nach einem Bustransfer zu einem Motel unweit des Fährhafens. Unser erster Eindruck vom Motelangebot in Kanada war gut, ein preiswerter und guter Standard. Unsere individuelle Bewegungsfreiheit hatten wir wiedergewönnen, als wir am nächsten Tag unsere Stahlrösser aufsattelten und die 12 Kilometer zur Fähre pedalierten, auf einem breiten Randsteifen, Kanada ist radlerfreundlich.
      Wir wurden in den Schlund der Fähre eingewiesen und konnten ganz vorne am Rand einparken. Auch die Ausfahrt nach eineinhalb Stunden war zwar recht interessant aber ungefährlich. Wir standen startbereit ganz vorn am Absperrseil, als sich die Rampen auf beiden Seiten senkten und hoben. Ganz winzig waren wir im Vergleich zu den mächtigen Trucks dicht neben uns. Die konnten uns nicht s anhaben in der Enge, denn wir durften als erste losfahren. An Deck hatten wir uns den Wind um die Ohren blasen lassen, wieder ein neues Erlebnis, die kühle Seebriese. Wir fuhren an vielen Inseln vorbei, die meisten, die wir sehen konnten, waren bewohnt. Die Bewohner haben eine Abgeschiedenheit gewählt, sind auf die Fähre angewiesen, wenn sie auf Festland wollen. Vancoever Island ist die größte der vielen hundert Inseln im Küstenbereich von Vancouver. Sie ist halb so groß wie die Schweiz. Den 650.000 Bewohnern steht eine autarke Infrastruktur zur Verfügung. Sie landschaftlichen Reize mit Bergen, Wäldern, Meeresbuchten, aber vor allem das milde Klima lockt die Menschen an. Die hinter der Festlandküste der Bergketten schirmen die kalten Polarwinde ab, die Seebriese des Pacific mildert die Sommerhitze ab und lässt im Winter das Thermometer nur selten in ein kleines Minus fallen. Montreal im Osten Kanadas dagegen, das auf dem gleichen Breitengrad liegt, hat dagegen sehr kalte Winter und heiße Sommer mit. Wir wollten Emil Simani und seine Frau Loni besuchen, die wir einige Jahr zuvor in Montreal kennen gelernt hatten. Beide sind achtundsiebzig und sie haben sich entschieden ihr Haus in Montreal zu verkaufen und zu Tochter und Schwiegersohn nach Vancouver Island zu ziehen.
      Emil und der Schwiegersohn Ernie haben uns an der Fähre erwartet, beide mit einem geräumigen Kombi. Es ist nicht weit zu ihrem Haus, es steht auf einer Anhöhe in Hanglage mit freiem Blick zum Hafen den Wäldern und Buchten. Zwei komfortable Etagen hat das Haus, die für die Eltern war noch im Umbau. Die in diesen exquisiten Wohnlagen solitär stehenden Wohnresidenzen sind eingebettet in gepflegte Gärten und Parkanlagen. Wir beugten uns zu den Tulpen, Narzissen, und anderen Frühlingsblumen, rochen in die Fliederblüten hinein, schauten auf das zartgrün der Laubbäume, ja wir hatten den Frühling eingeholt, die schönste Jahreszeit, die wir nicht verschenken wollten. Die Krönung unserer Besuchstage auf der Insel waren die Abende. Wir durften Wohn- und Esskultur der Spitzenklasse genießen. Dabei waren wir auch zu Gast bei einem befreundeten Ehepaar. Ihr Haus ist noch geräumiger mit großen Fenstern, Terrassen und Sitzecken nach allen Seiten und geschmackvoll stilgerecht erlesen eingerichtet. Es ist der Ruhesitz von Peter Kölbleitner und seiner aus der Ukraine stammenden Frau. Peter stammt aus Wien und ist in den Sechzigerjahren nach Kanada ausgewandert. Beruflich hat er jedoch Jahrzehnte in allen Erdteilen verbracht. Vier bis sieben Stunden saßen wir jeweils zusammen, alle hatten viel zu erzahlen aus einem bewegten Leben. Häufig wechselte die Rede vom englischen ins deutsche und umgekehrt. Als wir Abschied nahmen, war keine Routine, als wir versicherten, wiederzukommen, so wir die gewonnenen Freunde bei uns zuhause als Besucher erwarten. Die Insel einige hundert Kilometer mit dem Rad zu erkunden, wäre reizvoll gewesen. Doch es blieb bei einigen Ausflügen. Drüben am Festland lockte und forderte die von uns gewollte Kontinentdurchquerung mit 5.000 Kilometer.

28. Bericht: In die Bergwelt von British Columbia

     „Auf geht's“, rief ich meiner Jutta zu, als wir aus der Fahre rollten. Der Autoverkehr im Großstadtbereich ist immer lästig, hier waren es 70 Kilometer, viele Ampelstopps dazwischen. Weiter draußen folgten wir der Empfehlung eines Radlers und gondelten auf ruhigen Nebenstrassen durch Farmland und erfreuten uns an der Frühlingspracht. Das Städtchen Hope ist von Bergen umgeben wie Garmisch oder Bad Reichenhall, bewaldete Bergrücken mit Fels und Schneehauben obendrauf. Bei sonnig mildem Frühlingswetter hätte eigentlich ein Verbleib gelohnt. Trieb uns die Neugier an auf die Bergetappe, die wir vor uns hatten?
     "Da drüben beginnt der Anstieg, siehst du die Autos?" sagte ich. Gelassen erwiderte Jutta "Ja, da geht's zur Sache". Drei Passstraßen zweigen ab in Hope. Wir hatten uns für die Nordroute entschieden über den Coquailas Highway zum Transcanada Highway nach Norden und Nordost über die Rockys nach Lake Louis, dann nach Südost über Calgary in den flachen Osten. Ein Kanadier aus Vcalgay hatte uns dazu überredet, meine Bedenken, dass ich starken Autoverkehr auf diesen Nationalstrassen befürchte, zerstreute er. Die Radfahrer haben durchgehend einen breiten Randstreifen zur Verfügung. Das sei viel sicherer als die von uns geplante Südroute durch den US Staat Washington. Er kenne alle Strassen da unten, die sind eng mit vielen engen und gefährlichen Kurven. Ich hatte nachgerechnet, ja die Nordroute ist etwa 400 Kilometer kürzer. "Wollen wir nicht doch die Strasse drei nach Osten fahren" gab Jutta noch einmal zu bedenken, Ich erwiderte "Wir wissen nicht wie es da drüben weitergeht und deutete auf die grobe Karte, die viele Berge vermuten ließ. Also auf nach Norden zum Tagesziel Merritt nach 120 Kilometer, dazwischen liegt keine menschliche Ansiedlung.
      Wir kurbelten zuversichtlich bergan, mussten aber bald erkennen, dass wir eine Autobahn gewählt hatten. Dieser mautpflichtige Highway ist eine stark befahrene Verkehrsachse nach Norden. ,eine vierspurige Autobahn, in den steileren Anstiegen auf sechs spuren erweitert. Und da dröhnten die schweren überlangen Laster mit starken Motoren an uns vorbei, oft sehr dich an unserem Randstreifen, auch die kleineren Motorfahrzeuge und Motorräder drücken da das Gaspedal durch, mit der Lust am Tempo. Es gab keine Rastplätze, nur Warnhinweise auf Winterbedingungen und Kettenpflicht bei Schneefall. Die Anstiege wurden steiler, wir mussten öfter vom Rad zum Ausschnaufen und trinken. Im kleinen Gang versuchten wir, ein gleichmäßiges Tempo zu treten, das durchzuhalten ist. In der Beugehaltung beim Hochkurbeln sind die Augen auf das Vorderrad gerichtet, ein Mindesttempo mussten wir einhalten, sonst kommt das Rad ins Schlingern. Doch häufig riss ich den Kopf hoch, wie geht es weiter, wird es endlich flacher. Nein, es wurde steiler, ganz da oben war ein Tunnel erkennbar. Wir arbeiteten uns heran und mussten vom Rad. Seitlich des Schneeabweisenden Tunnels konnten wir im Sand vorbeischieben. Es wurde so steil, dass wir nicht mehr aufs Rad kamen. Also das gefürchtete Schieben bei 4 km/h. Das Rad darf dabei nicht in Seitenlage kommen, sonst drückt das Gewicht zum Kippen.. Auf Tausend Höhenmeter waren wir bis dahin geklettert. Links über uns rückte glatter Fels heran, auf der anderen Seiten schauten wir in eine Schlucht mit gischtendem Wildwasser. Nach vierzig Kilometer erreichten wir die Passhöhe und hielten an. Jutta stutzte sich keuchend am Lenker ab "Das macht keinen Spaß heute, wie geht es da weiter" Beide hatten wir eine Vorahnung, dass wir weiter gefordert werden.
     Wir hatten nun Forst um uns, lang gezogene Bergrücken mit Nadelwald. Der breit Highway ist in die Flanken der Berghänge gefräst und folgt den Bergsenken. Nach langen Abfahrten mussten wir immer wieder und wieder hoch. Vor einer tiefen Abfahrt schaute ich hinüber zum nächsten Berg. Ganz weit da oben, nahe am Himmel erkennte ich die sich bewegenden Planen der großen Laster. DA müssen wir hinauf? 28.Bericht, Fortsetzung Nach langen Abfahrten mussten wir wieder und wieder hoch. Ich hatte echt Sorgen um meine Frau. Bei einem Puls von 160 musste sie häufig vom Rad, um nicht zu übersteuern. "Noch 40 Kilometer, ich schaff das nicht", rief sie aus. "Wir machen jetzt häufiger eine Pause" versuchte ich, sie zu beruhigen. Als wir nach mühsamen zwei Stunden kurz vor einer Anhöhe waren, hielt sie plötzlich an und flüsterte "Ich kann nicht mehr". und sie hielt Ausschau nach einem Auto, das uns mitnehmen könnte. Die brausten alle im hohen Tempo vorbei.
      Es hatte zu regnen begonnen und wir zogen die Regenkleidung über, fuhren langsam; wieder an und siehe da, die letzten 11 Kilometer fuhren wir abwaaerts. "Da unten liegt Merritt", rief ich ihr zu. Als wir bei strömenden Regen langsam in das Städtchen rollten und nach einem passenden Motel Ausschau hielten, hatten wir ungewollt einen neuen Rekord aufgestellt, 2000 addierte Höhenmeter auf 120 Kilometer. Die Motels sind für uns Radfahrer echt praktisch, wir fahren immer mit den bepackten Rädern direkt ins Zimmer. Zum Service gehört nicht nur eine Kaffeemaschine und ein Kühlschrank, oft steht auch eine Mikrowelle bereit oder eine kleine Küche. Die Motelmanager waren in Kanada ohne Ausnahme sehr freundlich und gaben uns oft größere Zimmer oder ein Appartement mit Preisnachlass. An diesem Tag war die Badewanne wichtig. Der aus Wien eingewanderte Manager versicherte uns, es gibt heißes Wasser..
     Ich war noch beim Umziehen und entspannen, da rief meine Jutta aus dem Badezimmer "kleiner Löwe, komm." Sie lag schon in der Wanne und machte mir Platz. Wer kennt das Wonnegefuehl , mit einem ausgekuehlten Koerper in heißes Wasser zu tauchen. Wir lagen vierzig Minuten unter dem nachlaufenden Heißwasser, rückten gegenübersitzend und liegend auf nahen Körperkontakt. Meine Jutta lachte mich mit ihren schelmisch sexy blitzenden Augen an. Das musste alle Lebensgeister in mir wecken. Ist es eine Belohnung, wenn dich nach überstandenen Strapazen ein Gefühl der Glückseligkeit erfasst?
     Am nächsten Tag hätten wir nicht aufs Rad steigen wollen, die Beinmuskeln hätten was dagegen gehabt. "Ich will nicht auf dieser Autobahn weiterfahren und da oben auf dem Transcanada Highway ist sicher nicht weniger Autoverkehr". "Jetzt sind wir nach dieser Wahnsinnstour schon so weit oben und du willst wieder nach Süden hinunter", erwiderte ich fragend.. Der Süden von BC entlang der Grenze zu den Staaten sei weitaus schöner und interessanter als der langweilige Norden, hat uns ein Kanadier versichert. Wir studierten ausführlich alle verfügbaren Karten und ich fand einen passenden Übergang zur Amerikaroute. "Das kann aber ganz schön schwer werden, die Nebenstraße nach Süden ist ein Blindflug" gab ich zu bedenken, denn wir hatten keine Informationen für diese Strasse bekommen." Doch nach Süden mein Schatz?" "Ja , wir fahren hinunter. Also "kehrt marsch" nach Süden mit leichter Krümmung nach Osten.
      Wir mussten vom Motel weg gegen den Berg treten, in die andere Richtung hätten uns zunächst kaum Steigungen erwartet. Wir waren wieder auf einer Autobahn, erst nach 23 Kilometern sollte die Abzweigung zur Straße Nr. 3A kommen. Die Straße windet sich hoch und wenn ich darauf hoffte, wir würden nach dieser Kurve oben ankommen, ging es in die andere Richtung weiter nach oben. Wir haben oft angehalten. Am Abend gestand mir meine Frau, sie war nahe dran, das Signal zur Umkehr zu geben. Wir sind hochgekommen nach zwei Stunden war es wie im Märchen? Die Nebenstrasse wurde zum Radlergenuss, überwiegend bergab, mit leicht verkraftbaren Welllen in herrlicher Natur und keinen störenden Autos. Wir fuhren an vielen kleinen Seen vorbei, staunten über die Spiegelung der Bäume im smaragd schimmernden Wasser, schauten hinüber auf die Gebäudekomplexe der Farmer, auf friedlich grasende Kühe und Pferde. Hier oben war die Natur noch zurück, das Grün lugte erst in Spitzen aus dem winterdürren Gras. Weiter unten leuchtete das zartgrüne Laub in verschieden Pastelltönen, die Viehweiden waren schon sattgrün. Es sollten gemütliche Tage folgen mit kleinen Etappen. Am Sonntagmorgen folgten wir dem Flusslauf in herrlicher Natur, auf ruhiger Straße. Was will der Radler mehr, es war zum jauchzen. Als wir in Keremeos ankamen, wiederum einem kleinen einladenden Städtchen, meldete Juttas Radcomputer einen neuen Rekord mit 23 km/h im Schnitt. Wieder war das ungewollt, übermütig waren wir mit Tempo einem mit Donnergrollen drohenden Gewitter davongefahren.
      Sehr müde waren wir beide am Abend und legten einen Ruhetag ein, ich hatte ihn nötiger als meine Frau. Ich spürte eine Erkältung. Jutta päppelte mich wieder mal auf. Ich hatte schon darüber sinniert, ob mein Körper zu streiken beginnt. Da rücken dann die Ziele plötzlich weiter weg, unerreichbar? Am nächsten Tag war ich wieder topfit. Jutta ermahnte mich, nicht wieder so schnell die Abfahrten hinunter zu brettern. "Fahr rechts" ruft sie mir auch immer dann zu, wenn von hinten ein Auto naht. Als wir über einen Bergrücken nach Osyoos hinunterrollten, wurden wir an Südtirol erinnert. Hier herrscht ein ähnlich mildes Klima, für Obst Plantagen und Weinbau. Es regnet selten in dieser Zeit. An der Seeuferstrasse präsentieren sich zehn Motels, eines am anderen. Wir konnten wieder einen Spezialrabatt aushandeln. Ja, diese Gegend list wirklich ein Radlerparadies, aber sportlich anspruchsvoll. Einige Rennradler kamen uns entgegen, die hatten es leichter. Unsere Ostroute sollte wieder bergiger werden. Wir schauten zu den Serpentinen hoch. Der Experte im Touristenbüro beruhigte uns, das seien nur 500 Höhenmeter, nach vierzehn Kilometer geht es überwiegend bergab..
      Wieder einmal kurbelten wir frühmorgens hoch, hielten öfter an, um die Aussicht zu genießen in das breite Hochtal mit dem See und die schneebedeckten Gipfel im Hintergrund. Wieder einmal hatten wir eine falsche Auskunft bekommen. Tausend Höhenmeter mussten wir hoch, nicht fünfhundert, und erst nach dreißig Kilometer waren wir im Hochland angekommen. Jutta stöhnte und schimpfte etwas mehr als ich, als die gnadenlosen Anstiege im Wald nicht enden wollten . Wir waren mental nicht darauf vorbereitet. Im kühlen Wind einer herben Agrarlandschaft überwanden wir die letzten Steigungen und konnten endlich erholsam durchschnaufen. Grand Forks(BC) ist die letzte Station im Westen Kanadas. Als wir gestern noch zwanzig Kilometer bergab vor uns hatten, blies uns ein eisiger Wind entgegen und Regenwolken zogen auf. DA griffen wir halt in unserer Packtaschen und holten unsere Winterkleidung heraus. Morgen wechseln wir hinüber über die Grenze in den nordöstlichen Zipfel des Staates Washington und folgen der Amerikaroute, wofür wir gute Karten haben. Etwa zwei Wochen werden wir da im Hochland sein, da werden wir uns warm anziehen müssen.

16.Mai 2003 Jutta und Gerhard