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Bericht 2: „Auf den Spuren des Balkankrieges nach Belgrad“ – Seite 1/4

Die Strasse folgt dem Fluß, das ist immer gut für Radler. Wieder haben wir einen schönenTag und fahren in den erwachenden Frühling hinein. Narzissen in voller Blüte, zart sprießendes Grün. Der Autoverkehr ist heute Mittag von Maribor stärker, das hat uns die junge Murska prophezeit. Sie war noch rechtzeitig vor unserer Abreise von der Schule zurückgekommen und hat sich riesig gefreut uns zu sehen. Meine Jutta pendelt in Abstand hinter mir, ich verlangsame einige Male sehr stark, damit sie aufschließen kann, um in meinen Windschatten zu kommen .Nein, heute will sie nicht. Vielleicht packe ich die kurzen Anstiege zu schnell an. Ich weiß, für sie fahre ich zu schnell. Aber ich denke daran, dass wir heute nach Ptuj kommen wollen, 30 km südlich von Maribor, da wird die Zeit knapp, weil wir so spät weggekommen sind. Was ist anders hier in Slowenien? Es ist kaum auszumachen. Auch hier gibt es schnelle „sportliche Fahrer“, die es dröhnen lassen. Die Häuschen und Gärten sind sauber gerichtet, ein bescheidener Wohlstand, keine Armut ist erkennbar.
     Da kommen auch einige Rennradler vorbei und winken uns zu. Vor Maribor kommen wir ins Verkehrsgewühl, aber es gibt Radwege, nur sehr holprig sind die. Wo wir auch fragen, immer bekommen wir freundliche und hilfsbereite Auskünfte. Einige Kilometer schwimmen wir auf der Schnellstraße inmitten des Verkehrsflusses, alles noch erträglich.
      Ptuj ist ein schönes altes Städtchen, sagten uns die Freunde von Murska. Jetzt habe ich meine Frau direkt hinter mir im Windschatten. So kommen wir mit gutem Tempo voran. Ein altes Hotel fünf Kilometer vor unserem Zielort hat meiner Frau nicht zugesagt. „Laß’ uns weiter fahren“, sagte sie. „Ganz schön mutig“, erwiderte ich mit dem Blick auf die sich zum Abend neigende Sonne. Ich war gerne einverstanden. Mit dem letzten Tageslicht kamen wir in einer Therme an. Ich handelte ein ebenerdiges Zimmer aus, und wir schoben unsere bepackten Räder durch die Tür. Das Schwimmen in der Therme schafften wir nicht mehr, auch nicht am nächsten Morgen, sonst wären wir noch später losgekommen. Schade, dass wir diesen Zeitdruck haben!
      Nach Varazdin haben wir eine Nebenstraße gewählt und erreichten die kroatische Grenze, es war richtig idyllisch hier. Die Grenzer wollten unsere Pässe gar nicht sehen, so rollten wir völlig stressfrei nach Kroatien hinein und kamen auf flacher Straße schnell voran. Je weiter wir nach Süden kamen, um so mehr fielen wir beiden Radler auf. Auch aus den entgegen kommenden Trucks wird uns munter zugehupt. Wir schauten den Bauern bei der Feldarbeit zu, die den Mist mit der Gabel auf dem Feld abladen. Das ist eine harte Arbeit, an die ich mich noch aus meiner Kindheit erinnere. Auf 30 Kilometer haben wir einige Male einen Traktor mit Hänger überholt. Vorne saß ein junges Paar und die staunten und lachten, als wir vorbei zogen. Dort, wo sich die Straße nach Westen wendete und wir den heftigen Wind gegen uns hatten, haben sie uns wieder eingeholt. So ging das einige Male. Einen Anhalter haben wir drei Mal passiert. Das war ein komischer Eindruck, als er nach 20 Kilometern wieder da stand und den Daumen reckte.
      Wenn wir Stopps machen, muss ich mir immer eine Mauer, einen Baum oder einen kräftigen Pfahl aussuchen, damit ich mein schweres Rad anlehnen kann. Juttas Rad hält den Radständer, meines biegt sich durch und ist gebrochen, den kann ich wegwerfen. Die Dörfer sind langgezogen und alle Häuser zur Straße gerichtet. Alte Häuschen mit sehr schmaler Giebelfront, wie in Russland, aber Steinhäuser, Holzhäuser gibt es hier nicht. Da ist auch nicht viel Wald rundum, die vorherrschende Feldfrucht ist hier der Körnermais. Das erkennt man an den Maiskolbendepots an den Bauernhäusern.
      Ein einziges Hotel gibt es in Koprivnica. Wir müssen froh sein für die Bleibe, schleppen die Packtaschen hoch und mit letzter Kraft wuchte ich die Räder nach oben. Wir sind zwar müde, aber die Harmonie zwischen uns beiden ist gut. Ich bin sehr froh darum.
      Am nächsten Morgen hatten wir eine Begegnung mit einem Schweizer. Er ist kroatischer Abstammung und organisiert aus eigener Initiative einen Radweg entlang der Mur. Das wäre eine Verbindung zum Murradweg in Österreich. Er war begeistert von unserem Vorhaben, und wir lobten ihn für seine Privatinitiative.
      In Virovitica gibt es kein Hotel, auch eine Privatunterkunft können wir nicht ausfindig machen. Ich ärgere mich darüber, dass wir einen Umweg von drei Kilometern machen müssen, um eine Bleibe zu finden. Eigentlich wollte ich weiter, aber wir waren sehr müde. Beide sind wir um drei Uhr nachmittags eingeschlafen.
      Wenn ich aufwache, erfasst mich ein Gefühl des Unbehagens, nicht Angst, aber Sorge, wie es weiter geht. Die Schwerarbeit auf dem Rad in diesen ersten Tagen hatte mich verunsichert, für Jutta war es noch härter. „Wo liegt das Sinn dieser Reise, wenn wir uns den ganzen Tag schinden müssen und todmüde ins Bett fallen?“, klagte sie mich an. Aber sie ist tapfer und wusste, dass wir heute 120 Kilometer bis Osijek fahren müssen, oder wir suchen uns einen Privatvermieter. Die bieten sich in dieser Gegend nicht an, weil es keinen Tourismus gibt. Also müssten wir in einigen Häuser auf gerade wohl anfragen.
      Irgendwo werden wir schon unterkommen. Ich hatte da keine Sorge, eher Neugierde auf was Neues. Schlafen im Freien muss in dieser kühler Jahreszeit nicht unbedingt sein. Das will ich meiner Frau noch ersparen, mir auch.
      Wir hatten noch keinen Streit miteinander, keine heftige Auseinandersetzung, auch in diesen ersten schweren Tagen dieser großen Tour sind wir glücklich miteinander. Wir küssen uns, und wenn ich frage“ Liebst du mich noch?“, dann kommt ein überzeugtes: „Freilich, immer!“ Im Bett hielten wir uns im oft die Hände und ich sagte: „Wo du neben mir bist, bin ich zu Hause.“ >

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