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Bericht 5: „Die gastfreundlichen Türken und ihre unzähligen Berge“ – Seite 1/8

Wir blieben zwei Tage in Istanbul. Etliche Stunden war ich im Goethe-Institut. Dort hatte ich die Möglichkeit, selbst Texte zu schreiben und es wurde mir dabei geholfen, die Texte per E-Mail nach Deutschland zu bringen. Frau Gulbin Ezel vom Goethe-Institut hatte sich Zeit genommen und wollte mir unbedingt auch Einiges über die Türkei erzählen.
      Am nächsten Tag mussten wir uns entscheiden, wie es weitergehen sollte. Es hatte den ganzen Tag und auch in der Nacht sehr stark geregnet. Das lud nicht zum Radfahren ein. Außerdem wären über viele Kilometer stark befahrene Straßen zu überwinden gewesen, bis wir aus dieser Stadt mit ihren vielen Vorstädten hinauskämen. Wir entschieden uns für die Bahnfahrt mit dem Nachtzug. Eine kürzere Strecke als Istanbul – Ankara war gar nicht zu bekommen. Also gut, bis Ankara. Der Herr von der Auskunft, bei dem wir die Fahrkarten kauften, versicherte uns, dass es kein Problem gibt, die Räder ins Abteil zu bringen. Aber wir mussten zu einem anderen Bahnhof, auf der anderen Seite des Bosporus. Als wir mit unseren Rädern vom Hotel loszogen, wurde uns bewusst, wie fahrradfeindlich so eine Großstadt ist. Auch die Fußgänger tun sich außerhalb der reinen Fußgängerzone außerordentlich schwer. Es gibt nur ganz schmale Gehwege, dazu sehr hohe Bordkanten, und sogar durch die kleinsten Gässchen fahren die Taxis. Wir mussten steil den Berg hinunter und hatten Sorge, ob wir rechtzeitig bremsen können. Wir suchten mit voll angezogener Bremse den Weg zur Fähre und waren nicht sicher, mitgenommen zu werden, denn die Autofähren gingen von der anderen Seite ab. Da hätten wir wieder über die große Brücke gemusst. Aber wir kamen mit. Mir wurde bewusst, wie schwer es die Rollstuhlfahrer haben. Mit unseren schweren Rädern waren wir in einer ähnlichen Situation. Es kam einer, der uns ein Tor aufsperrte, damit wir direkt zur Fähre vorfahren konnten. Wir mussten stark wuchten, um den steilen Anstieg zum Schiff zu schaffen.
      Wir waren sehr frühzeitig dran, denn wir wollten noch bei Tageslicht im Bahnhof ankommen. Da erfuhren wir, dass es nicht möglich ist, die Räder ins Abteil zu bringen. Es bot sich ein Englisch sprechender Jurist an, der sich für unser Anliegen einsetzen wollte. Er ging mit dem Bahnbeamten zum Stationsvorsteher. Als er zurückkam, sagte er: „Nein, das ist wirklich nicht zu machen.“ Aber unsere Fahrräder würden mit dem gleichen Zug fahren. Das wäre ja noch schöner, wenn das nicht möglich wäre, dachten wir. Eine Stunde vor Abfahrt des Zuges goss es aus Kübeln, und wir mussten unter dem schützenden Vordach hervor. Aber es ging dann doch sehr viel besser als gedacht. Wir hatten immerhin erreicht, dass unsere Räder und wir beide dazu auf einen Kleinwagen geladen wurden. Wir wurden direkt zu unserem Zugabteil gefahren, und ich durfte mit dem Fahrzeug bis zum Gepäckwagen mitkommen und konnte mich überzeugen, dass unsere Räder in einem Extraabteil, das vergittert war, am Boden gelagert wurden.
      Dann kam die große Überraschung, wie luxuriös Zugfahren in der Türkei sein kann. Die Klasse, die wir hatten, war nicht nur preiswert, sondern absolut Erste Klasse! Wir hatten so ein modernes, angenehmes Schlafwagenabteil noch nie benutzt. Ich konnte in der Nacht schlafen wie in meinem Bett, auch wenn es Jutta etwas anders erging.
      Wir kamen einigermaßen ausgeruht in Ankara an. Es regnete. Der Verkehr aus Ankara heraus war erträglich. Der Regen hörte auf. Nun kam das Wasser von unten. Es musste in der Nacht sintflutartig geregnet haben, denn die Flüsse waren über die Ufer ausgebrochen. Wir erlebten wieder etwas Neues, nämlich Wildwasser auf der Schnellstraße. Wir wateten durch Wasser mit starker Strömung, vorbei an einem umgestürzten Lastwagen. An einer Tankstelle machten wir Halt und wurden dort zum Teetrinken eingeladen, eine schöne, typisch türkische Einrichtung offenbar. Da gab es einen Nebenraum, in dem den Kunden kostenlos Tee angeboten wurde und in dem man angenehm sitzen konnte. Uns tat das gut, denn es war an diesem Morgen ziemlich kalt.
      Vorher hatte ich am Bankautomaten erstmals Geld gezogen und festgestellt, dass es ziemlich einfach ist, wie bei uns mit der ec-Karte einheimische Währung zu bekommen. Eine Vorstellung von der türkischen Währung hatten wir inzwischen: Eine Million türkische Lira sind etwa 85 Euro-Cent. Unser Etappenziel hatten wir gut erreicht und fanden auch ein Hotel. Der Ort Kirikkale war eigentlich recht einladend. Wir haben erstmals das muntere Treiben auf den Straßen erlebt. Das Einkaufen in diesem Riesentrubel hat uns Spaß gemacht. Jutta machte bei einem Straßenhändler den Versuch, für einige Obstsorten die türkische Bezeichnung zu erfahren. Doch er antwortete beharrlich und wiederholt mit freudigen Gesten: „Onkel Bochum!“
      Dann kam unsere längste Tagesetappe, wir waren hinterher richtig stolz darauf. Wir hatten zwar häufig Rückenwind, aber es war trotzdem eine stramme, sportliche Leistung. Vor allen Dingen meine Frau hat da stark mitgehalten. Beim Halt kamen ehemalige Gastarbeiter auf uns zu. Wir waren inmitten einiger Leute, die auf uns einredeten, und schon kam einer mit einem Tablett mit Teetassen, mitten auf der Straße, Ich fragte einen der Deutsch Sprechenden, ob er noch in Deutschland arbeite. Er antwortete darauf: „Ich 48 Jahre, ich alter Mann, ich nicht mehr arbeiten.“
      Wenn wir zu einem Trinkstopp kurz anhielten, kamen sie von den Feldern heran. Da war dann wenigstens einer dabei, der uns auf Deutsch ansprach. Meine Frau trieb mich an, denn wir hatten es schließlich noch ziemlich weit. Häufig wurde wir angehupt und konnten nicht unterscheiden, ob es eine Warn- oder eine Sympathiehupe sein sollte. Im Lauf der nächsten Tage konnte ich es dann doch halbwegs unterscheiden. Aus vielen Autos wurde uns zugewinkt, daran haben wir uns schnell gewöhnt. >

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