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Bericht 6: „Khomeini, schwarze Schadors und menschliche Wärme
“ – Seite 2/6

. . . An diesem Tag hatte ich wirklich ein Tief. Ich war in Sorge. Mag mein alter Körper nicht mehr? Jutta machte mich wieder fit und rieb mir den Rücken ein. Das hatte eine wärmeerzeugende, muskelentspannende Wirkung, es tat richtig gut. Sie steckte mir auch noch homöopathische Mittel in den Mund und siehe da, es war ein Wunder. Für den Leser mag es langweilig sein, wenn ich schon wieder von der Mühlsal am Berg spreche. Aber wenn eine Straße gleich nach dem Start 3,5 Kilometer unbarmherzig bergauf geht und keine Chance auf Verschnaufen bietet, dann prägt sich das ein. Wir sind direkt auf einen verschneiten Riesen zugefahren, und es ging recht gut. Ich spurte voraus.
      Nun waren wir wieder im Winter angekommen. In den Hängen etwa 200 Meter über uns konnte ich noch den Neuschnee vom Vortag erkennen, darunter mehr braun als grün, wie in der Türkei. Sehr schnell erkannten wir, dass wir im Straßenverkehr nicht so rücksichtsvoll behandelt werden wie in der Türkei. Es rasten Autos auf der Gegenfahrbahn direkt auf uns zu, so als ob es uns nicht geben würde, und drängten uns an den äußersten Rand. Einmal musste ich in den Zaun ausweichen. Ich schrie öfter „A....loch“ hinterher, doch das konnte ja nichts bringen. Wir wurden zwar immer noch aus Autos gegrüßt, aber ich konnte dem nicht mehr so viel abgewinnen, wenn wir uns nur mit äußerster Aufmerksamkeit gegen die Lastwagen behaupten konnten.
      Dann sind wir doch ohne großen Stress nach Täbris hineingekommen. Als wir anhielten, kamen schon einige Leute auf uns zu. Ein junger Student bot uns an, uns zu einem guten und preiswerten Hotel zu führen. Das ging ganz schnell. Später bummelten wir los. Uns fielen sofort wieder die schwarzgekleideten Frauen auf, wie die Nonnen eines Klosters. Hängende Tücher vom Kopf bis zu den Fußsohlen, da sind wirklich keine femininen Reize zu erkennen. Und doch gibt es Unterschiede. Viele Frauen, vor allem die Älteren, gehen mit züchtig gesenktem Kopf wie büßende Sünderinnen. Nicht wenige davon halten das Tuch auch noch vor den Mund, um auch noch vom Gesicht einiges zu verbergen.
      Die jüngeren wollen auch Reize zeigen. Es sind Haartollen unter dem Kopftuch zu sehen. Sie sind offen und feminin-selbstbewusst. Wir fallen als Ausländer sofort auf und werden auch von jungen Frauen gegrüßt, die meiner Frau zulächeln. Jutta meint, es waren auch böse Blicke dabei, von den religiösen natürlich. Sie trägt auch Kopftuch, seitdem wir im Iran sind. Es ist allerdings ein buntes und hängt auch nicht über die Schulter. Ein Student wollte uns zu einem Restaurant führen, das aber noch nicht offen war. Da ging er mit uns zurück, einen langen Weg. Er ist ein attraktiver junger Mann, sportlich-schlank mit gut sitzendem schwarzen Anzug. Er antwortete sehr freimütig auf meine Fragen. Ja, die Jugend sei überwiegend unzufrieden. Sie wolle Veränderung, aber es fehle der Mut für offenen Protest. Er votierte für fortschrittlichen Wandel Schritt für Schritt und ist überzeugt, die nachwachsende Jugend werde den Wandel erzwingen. Er sprach von einer notwendigen Reparatur der islamischen Kultur. Jutta ging neben- oder hinterher und war stocksauer. Sie wusste, dass Moslems nur Männer begrüßen und einer Frau allenfalls zunicken. Das ist dann aber schon ein sehr fortschrittlicher Mann. Meistens werden Frauen einfach ignoriert. Unser Student gab ihr schließlich doch die Hand, entgegen aller Regeln. Als wir zurück waren, kam ein anderer Student und mischte sich ein. Wir lehnten das Angebot zur Stadtführung für heute ab, aber verabredeten uns für den nächsten Tag um 14 Uhr. Unser „neuer Freund“ stellte sich als Orkan vor. Das ist eigentlich ein türkischer Vorname. Er ist ein bulliger Typ mit vollem Gesicht und betreibt den sportlichen Ringkampf, ein populärer Sport im Iran. Da braucht er viele Muskeln und Fett, wie er entschuldigend sagte. Er sprach schnell und wortreich, aber mit keiner guten Aussprache. . . .
. . . Dann führte uns Orkan zu einer Moschee aus der Frühzeit des Islam. Vor Jahren wurde die Moschee durch ein Erdbeben stark beschädigt und ist seitdem ein Museum. Die Kuppel wurde erneuert, doch die wertvolle Verblendung mit Mosaiken ist weitgehend zerstört und kann auch nicht renoviert werden. Die Mongolen waren auch einige hundert Jahre im Land und haben angeblich den islamischen Glauben angenommen. Wir gingen lange Wege durch verschiedenen Basars, Orkan ließ nichts aus. Es war kalt geworden und wir wollten eigentlich zurück zum Hotel. Er schlug uns vor, zum Abschied Tee zu trinken.
      Wir fuhren wiederum mit einem Taxi weit hinaus. Es nahm kein Ende. Jutta war schon besorgt. Orkan versprach einen Park, den wir zum Teetrinken aufsuchen würden. Ich dachte noch: Na ja, die Taxirechnung wird wohl etwas höher ausfallen. Inzwischen erzählte Orkan dem Taxifahrer von unserer Reise, was diesem sehr imponierte. Als wir ankamen und ich nach dem Preis fragte, sagte er: „Zahlen Sie, was Sie wollen.“ So nobel können also die Iraner sein. Der Park mit See mag im Sommer sehr einladend sein. Uns empfing kalter Wind und leichter Regen. Ich schaute nach einer warmen Teestube. Aber es ist Tradition, den Tee im Freien zu trinken. Wir fröstelten und begannen, den heißen Tee aus den Tassen zu schlürfen. Da lachten uns vom Nachbartisch drei junge Frauen zu. Sie kicherten und waren heiter wie die jungen Leute bei uns. Es irritierten nur die Nonnengewänder. Eine schaute immer wieder bewundernd zu uns, vor allem zu meiner Frau. Sie fänden uns sehr sympathisch, übersetzte unser junger Freund. Dann wollte ich wissen, ob sie sich fotografieren lassen. Zwei stimmten sofort zu, und eine wollte unbedingt auch mit Jutta abgebildet werden.
      Am Nachbartisch saßen einige junge Männer und wollten von den Mädchen flirtende Blicke erhaschen. Diese waren aber ganz auf uns fixiert. Da ging menschliche Wärme auf uns über und ich fröstelte nicht mehr. Eigentlich wollte ich sie zum Abschied auf die Wange küssen, was aber doch zu weit gegangen wäre. Im Weitergehen sahen wir zwei Frauen im Tretboot auf dem See – reiner Übermut bei dieser Kälte und dem Wind. Es sah recht komisch aus, wie sie mit ihren langen Kutten lustig kichernd das Boot bewegten. Ein Stück weiter standen etwa zehn Mädchen, alle in der schwarzen Einheitstracht und riefen uns auffordernd auf Englisch an. Da mussten wir natürlich stehen bleiben und einige freundliche Worte austauschen, zudem wir auch noch einen Dolmetscher dabei hatten. Auch sie ließen sich im Pulk gerne fotografieren. So hatten wir zum Abschied des kühlen Nachmittags noch ein herzerfrischendes Highlight. . . .
. . . Wir hatten Respekt vor dem, was in den nächsten Tagen auf dem Weg zum Kaspischen Meer vor uns lag. An die Berge hatten wir uns gewöhnt, aber das Wetter ist im Iran zu dieser Jahreszeit unberechenbar und sehr wechselhaft. Es gibt nur zeitweise Sonne, viele ziehende Wolken, zeitweise Windstille, aber dann drehende Winde, die sehr heftig werden können und auch eisigen Wind von vorn. Trotzdem hatten wir Glück, denn wir sind bisher nur einige Stunden im starken Regen gefahren. Die Straßen sind im Iran recht gut, meist mit glattem Asphalt. Da schnurren unsere Räder spürbar leichter. Wenn auch noch breite Randstreifen geboten werden, fahren wir richtig komfortabel. So lassen sich die anderen Widrigkeiten leichter ertragen. . . >

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