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Bericht 6: „Khomeini, schwarze Schadors und menschliche Wärme
“ – Seite 5/6

      Wir sahen auf Laubwälder in üppigem Grün hinab. Oben waren es noch halbhohe Bäume, weiter unten richtiger Laubwald wie bei uns im Juni. Die Straße wand sich zwischen den Bergflanken hinab, nur Teile der Serpentinen waren zu erkennen. Wir hatten eine Traumabfahrt über 1.700 Höhenmeter. Einige Male hielten wir an, damit die Bremsen nicht heiß liefen. Wie wollten das grüne Laub, die Blumen am Straßenrand und das hohe Gras ganz nah sehen. Oben waren wir mit doppelter Windbekleidung, Handschuhen und Mütze losgefahren, bis es immer wärmer wurde und wir die Wintersachen wegpacken konnten. Nach etwa 25 Kilometern Talfahrt sahen wir das Kaspische Meer und schauten auf Reisfelder, wo die Bauern dabei waren, die bewässerten Felder für die Pflanzung vorzubereiten. Die Bauernhäuser waren größer, alle mit Walmdach. Es grünte und blühte. Wir waren aus dem winterlich kalten Hochland in einer Stunde im Frühsommer angekommen. Die Wärme der Sonne umfing uns, wonach wir uns wochenlang gesehnt hatten. . .
. . . Einige Male haben wir angehalten und die Einladung zum Tee angenommen. Ein junger Mann hatte uns aus seinem Auto angesprochen und wollte uns zwei Kilometer weiter in seiner Gaststätte empfangen. Da stand er an der Straße und winkte heftig. Sein Restaurant war eine Gartenlaube unter Bäumen, recht idyllisch für die warme Jahreszeit. Auf dem Tisch standen einige Wasserpfeifen. Wir sollten auf einem Teppich sitzen. Der Vater servierte Tee. Er ist Fischer und Reisbauer, nebenbei betreibt er das „Sommerrestaurant“. Er hat zehn Kinder, die alle verheiratet sind. Die Jüngste, die noch studiert, kam eben an. Ich dachte wieder einmal: Wie sieht die Zukunft dieser vielen jungen Leute aus, werden sie Arbeit haben? Von unserem perfekt Deutsch sprechenden Freund Husein erfuhren wir einige Tage später, was ich auch aus Zeitungsberichten wusste: Dass sich die Bevölkerung in den 20 Jahren seit der Revolution von 35 Millionen Menschen auf 70 verdoppelt hatte. Dazu erfuhren wir aber auch, dass in jüngerer Zeit die Geburtenrate stark rückläufig ist. In der streng konservativ islamischen Republik wird Empfängnisverhütung nicht nur geduldet, sondern stark gefördert.
      Wir landeten in einem kleinen Hotel, dessen Manager erst per Telefon herbeigeholt werden musste. Er kam mit seinem Vater, einem Englischlehrer, als Dolmetscher an, einem gebildeten Mann, der auch Vorlesungen an der Uni hält. Unser Besuch war ein Ereignis. Wir seien die ersten Ausländer nach dem 11. September. Der Iran ist seither kein Reiseland für Ausländer. Nur langsam kommt der Tourismus wieder in Gang. Der 11. September habe die Welt verändert, es werde nichts mehr wie vorher sein, wurde damals verkündet. Ich meine, nicht der Anschlag hat die Welt verändert, sondern die Reaktion darauf, die Panikmache der Politiker und der Medien, die Ängste auch in den einsamsten Gebieten der Erde erzeugten. Warum sollten die Iraner nach dem 11. September für uns gefährlicher sein als zuvor? Für uns war das Reisen im Iran weit weniger gefährlich als in anderen Ländern. Wie hat unser Freund Husein gesagt? Du wirst von der Gastfreundschaft der Iraner schier erdrückt. Oft wird uns nicht nur aufmunternd zugerufen, sondern auch die Hand angeboten: „Welcome to Iran.“ Wir fühlen uns in diesem Land recht geborgen, weil wir wissen, dass uns zu jeder Zeit geholfen wird, was auch kommen mag.
      Wir sind in Lahijan gelandet. Auf unserer bescheidenen Karte ist das ein Ort wie jeder andere auch. Ich wollte eigentlich weiter, doch meine Frau hatte heftig protestiert. So trafen wir auf Husein und seinen Bruder Habas. Sie kamen in der Hotellobby auf uns zu, und ich sagte spontan: „Sind Sie deutscher Staatsbürger?“ Aber er ist geborener Iraner, hat in Deutschland studiert, seine Fachausbildung gemacht und sich als Urologe niedergelassen. Nach 25 Jahren hat er seine Praxis verkauft und pendelt nun zwischen Deutschland und dem Iran. Sein Bruder ist Wissenschaftler und hat auch viele Jahre in Deutschland gearbeitet. <

 
Sehr bequem war das Hocken nicht
 
Viel Reis, kein Bier
 
Lustige Frauen unter dem Schador
 
Gesteinsfarben

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