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Bericht 7: „Beeindruckende Begegnungen mit Moslems im grünen Norden des Iran“ – 1/6

Ja, es war ein Glücksfall, dass wir in Lahijaahn auf Hussein gestossen sind. Eineinhalb Tage waren wir mit ihm, seinem Bruder Abbas, der auch gut Deutsch spricht, seiner Schwägerin und seiner Schwester zusammen. Er hatte uns mit den Rädern ankommen sehen. Als er auf uns zuging, fragte ich ihn sofort, ob er Deutscher sei. Er ist Iraner, lebt aber seit Jahrzehnten in Deutschland. In einer halben Stunde wollte er mit seinen Verwandten zu einer Bergwanderung aufbrechen. Wir verzichteten aufs Ausruhen nach 120 Kilometern und waren dabei. Ein milder, sonniger Nachmittag lud ein – und endlich waren wir mal wieder zu Fuß. Dazu die Gesellschaft kundiger Menschen, die Deutsch sprachen – was wollten wir mehr? Da musste die Müdigkeit zurückstehen und wir beschlossen spontan, noch einen Tag zu bleiben.
      Es wurde eine stramme Wanderung, bergauf, bergab, bis zum Sonnenuntergang noch dreieinhalb Stunden. Wir stiegen steile Stufen zu einem Plateau hinauf, das ein beliebter Aussichtspunkt nahe der Stadt ist. Sehr viele Mädchen und junge Frauen kamen uns entgegen. Sie waren in ausgelassener Stimmung und riefen uns Grüße auf Englisch zu. Inzwischen hatten wir uns längst daran gewöhnt, dass die jungen Frauen die schwarze Kleidung nicht als Büßergewand empfinden.
      Oben wird Tee angebaut, wofür die Stadt bekannt ist. Im Stadtpark ist eine riesige Teekanne zu sehen. Wir wanderten durch die Teefelder, die sich zu beiden Seiten eines Bergkammes über weite Flächen ausdehnen. Die Teestauden sehen aus wie ein kurz gehaltener Buchs, etwa 25 Zentimeter hoch, werden nie gedüngt und auch nicht gewässert. Diese robuste Staude liefert hier unter idealen Bedingungen über viele Jahre die Teeblätter. Wir sahen den Pflückern bei ihrer emsigen Handarbeit zu. Ein Stück weiter waren die Blätter auf Tücher aufgehäuft. Sie werden gewogen und in Säcke gestopft. Die Teefelder sind in Privatbesitz. Am nächsten Tag haben wir frisch geernteten und in Handarbeit präparierten Tee bei den Bauern getrunken. Die Bäuerin knetete die grünen Blätter bis zur blaugrauen Verfärbung. Nach eineinhalb Stunden beginnt die Trocknung, die in verschiedenen Phasen acht Stunden dauert, bis die schwarzen Blätter aufgegossen werden können. Auch an den Tee haben wir uns inzwischen gewöhnt. Er wird wie in der Türkei von früh morgens bis spät abends angeboten.
      Hussein und Abbas haben uns sehr viel erzählt. Beide haben ein breites Wissen auf den Feldern der Geschichte Persiens, des Islams, der Wirtschaft und der Politik. Sie erzählten uns auch ihr persönliches Schicksal. Hussein kam zum Medizinstudium nach Deutschland. Als Facharzt für Urologie wollte er in den Iran zurück, zusammen mit seiner deutschen Frau und zwei Kindern. Er geriet in die Mühlen des Geheimdienstes des damaligen Schah-Regimes und musste demütigende Verhöre ertragen. Er gab sein Vorhaben, in seiner Heimat zu praktizieren, zunächst nicht auf und stellte sich einige Monate später erneut den Behörden. Aber er konnte keinen Nachweis für die Loyalität zum Regime durch politische Agitation erbringen. Er wurde bei seinem Klinikchef in Deutschland diffamiert. Sein Glück war, dass sein Chefarzt in der Nazizeit Ähnliches durchgemacht hatte. So konnte er in der deutschen Klinik weiterarbeiten und hatte bald seine eigene Praxis. Er verkaufte sie mit 55 Jahren. Seither ist er häufig im Iran. Ursprünglich wollte er Sportstätten finanzieren. Da sah er den erbärmlichen Zustand der Schulgebäude. So setzte er mit seinen Geschwistern sein elterliches Erbe ein und finanzierte zwei Schulgebäude. Wir sahen die eine Schule im Rohbau. Im Herbst soll das Gebäude den Schulbehörden übergeben werden.
      Hussein ist eine große, sportlich schlanke Erscheinung. Ich würde ihn auf Anhieb für einen Norddeutschen halten. Sein Bruder Abbas ist kleiner und trägt einen Bart wie ich einen Reisebart. Er ist mehr philosophisch und musisch ausgerichtet. Er war in der Schah-Zeit einige Jahre im Gefängnis. Während der Revolution war sein Leben erneut gefährdet. Seine Frau konnte ihn retten. Er erzählte, dass die Revolution 1979 zunächst Freiheit, Parteigründungen, Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit brachte. Der Beginn des Krieges mit dem Irak führte zu einer radikalen Wende und zur Verfolgung der als Regimekritiker Verdächtigen.
      Die Brüder haben von ihrem Intellekt her eine liberale Einstellung. Der Staat müsse seine internationalen Beziehungen verbessern und so die Voraussetzung für Investitionen aus dem Ausland schaffen. Die Europäische Union, insbesondere Deutschland, sollte eine aktive Politik auf wirtschaftlicher Ebene betreiben und nicht das Feld den USA und Russland überlassen. Auf meine Frage, ob er schon in Mekka war, antwortete Hussein mit einem Zitat aus dem Koran: „Gehe nicht nach Mekka, solange dein Nachbar hungert.“ Als er erstmals von den Schlachtungen für die Mekkapilger hörte, sagte er seinem Vater: „Da bringst du mich nicht hin.“
      Im Iran gibt es eine große Mehrheit für die Lockerung der strengen religiösen Vorschriften. Die meisten gebildeten und an der Weltpolitik interessierten Iraner hören die westlichen Radiosender. Sie sind stark auf den Westen und insbesondere nach Europa ausgerichtet. Dazu tragen die individuellen verwandtschaftlichen Beziehungen nach Europa bei. Shizman, den wir später trafen, äußerte sich zur Wirtschaftspolitik ähnlich. Deutsche Technik habe einen ausgezeichneten Ruf im Iran. Schon vor hundert Jahren haben deutsche Ingenieure Brücken und Tunnels gebaut. Bei den Motorfahrzeugen steht Daimler-Benz hoch im Kurs, wie in der Türkei.
      Wir sahen die schwarzen Fahnen als Zeichen der Trauer am Todestag des Iman Hussein. Er ist die geistige Symbolfigur der schiitischen Glaubensrichtung, die in der islamischen Republik Staatsreligion ist. Wir hatten noch ein ausführliches Interview mit einem Zeitungsreporter. Hussein und Abbas hatten es organisiert. >

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