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Bericht 8: „Im Land des ,großen' Turkmenbashi“ – 1/5

Turkmenbashi, der große Führer der Turkmenen, ist hier in der Hauptstadt allgegenwärtig. Auf großen Postern an öffentlichen Gebäuden, mit Transparenten über die Straße und mit seinem Bildnis in allen Läden und Shops als Ausdruck der Loyalität. Dieser kaum zu überbietende Personenkult sollte uns auch in den nächsten Tagen bis zur Grenze begleiten. Selbst in den kleinsten Dörfern ist er präsent. Er hat es eigentlich nicht nötig, denn er sitzt fest im Sattel, eine Opposition ist nicht erkennbar. Mit dem Personenkult hat er abgehoben, er ist unangreifbar, unfehlbar und mit überirdischen Kräften ausgestattet, Gott ähnlich. Ergeben sollen die einfachen Menschen zu ihm aufschauen. Die Diplomaten in der Hauptstadt rätseln, wie es nach ihm weitergehen wird, denn der 63-Jährige ist doch nur ein Mensch, mit drei Bypässen und deutlich erkennbarem Übergewicht ausgestattet. Er hat einen großen Hofstaat um sich, viele Menschen in den Behörden und Ministerien, doch alle Entscheidungen von einiger Bedeutung trifft er höchstpersönlich. Ein zweiter Mann ist nicht in Sicht.
      Turkemistan hat enorme Erdgas-Vorräte, die derzeit bescheiden ausgeschöpft werden, aber zur Verschwendungssucht verleiten. Da wurden an einer Straßenfront vor etwa sieben Jahren 14 Prunkpaläste mit aufwändig zu pflegenden Parkanlagen als gebührenden Abständen zu den Nachbarn errichtet. Es sollten Gästehäuser für die internationalen Konzerne werden, deren Investitionen man im Land erwartete. Die Architekten konnten ihre futuristisch-kühnen Ideen verwirklichen. Es gibt viel Glanz, Pomp und Marmor schon im Eingangsbereich, im Inneren gewaltige Hallen mit Glitzer, doch nur 20 bis 25 Zimmer. Die Absicht mit den Gästehäusern war natürlich irreal, also wurden Hotels daraus. Nur eines davon soll einigermaßen ausgelastet sein, alle anderen stehen weitgehend leer und müssen sehr aufwändig unterhalten werden. Man muss kein Experte der Hotelwirtschaft sein um zu erkennen, dass sich diese Bauten nie rentieren können.
      Dann gibt es zwei supermoderne Sportstadien, eines davon mit der großspurigen Bezeichnung „Olympiastadion“. Viele andere Paläste liegen neben der Residenz des Präsidenten. Als wir aus der Stadt fuhren, konnten wir auch das Ausmaß der Parkanlage, in der es mindestens hundert Wasserspiele gibt, erkennen. Mittendrin steht die riesige, vergoldete Statue des Führers. Die beiden strammen Wachsoldaten am Eingang erscheinen dagegen wie Zwerge. Das ist sicher Absicht. . .
. . . Dass es mit den kühlen Tagen voraussichtlich für viele Monate vorbei sein würde, spürten wir schon am nächsten Tag. Die für diese Jahreszeit normale Hitze von etwa 35° Grad hatte eingesetzt. Noch in den Tagen zuvor hatte es viel geregnet, da wäre auf einigen Abschnitten wegen Überschwemmungen für uns kein Durchkommen gewesen. Das Wasser stand beiderseits der Straße noch hoch – verrückte Wetterkapriolen auch in Turkmenistan. Zunächst waren wir von grünem Ackerland umgeben. Erst nach einigen Stunden kam der Wechsel zu sommerlicher Trockenheit. Die Bergrücken zur Rechten waren im Dunst verschwunden. Dazu passten die ersten Kamele, die ungerührt vom Autoverkehr am Straßenrand stachelige Disteln herausrupften.
      Wir hatten uns die Flachstrecken viel leichter vorgestellt. Nicht, dass uns die eintönige Landschaft ermüdete – nein, da war sogar überraschend viel Abwechslung. Die Hitze und der Gegenwind machten uns Probleme. Der Wind sollte auch in den nächsten Tagen gegen uns sein, er kam beständig von vorn. Das kostete viel Kraft. Die Kühlung, die der Wind bringen sollte, war trügerisch, denn es war heiße Backofenluft, und die immer steiler steigende, unbarmherzige Sonne war dennoch da. Jutta kämpfte tapfer. Ich konnte sie in der Führung nicht so oft abwechseln. Mehr als 15 Kilometer waren in der Stunde nicht zu schaffen. Mehr als zehn Stunden waren wir bereits unterwegs. Das unangenehme Drücken des Sattels, ein taubes Kitzeln in einigen Fingern vom Halten des Lenkers und der Durst zwangen uns zu häufigen Pausen. Ich musste mich auch immer wieder durch Recken und Dehnen gegen Rückenverspannungen wehren.
      Kaka hieß der Ort, den wir zum Ziel hatten und in dem es ein Hotel geben sollte. Nach 142 Kilometern kamen wir dort an und hatten Geduld für eine umständliche Passkontrolle. Doch dann sollten wir weiter warten, bis der zuständige Beamte zum Registrieren kommt. Die Polizisten standen um uns herum, interessierten sich für unsere Räder und wollten Einiges hören. Dann wurde es uns zu viel. Gleich um die Ecke sollte das so genannte Hotel sein und wir forderten energisch, jetzt endlich dahin zu wollen. Der Beamte sollte zur Registrierung eben dorthin kommen.
      Es wurde uns ein unauffälliger Flachbau gezeigt, doch die Tür war verschlossen. Eine von einer Kinderschar umgebene Frau machte uns verständlich, dass ein Mann mit dem „Klutsch“, dem Schlüssel, kommen werde. Warum haben wir nicht mehr Russisch gelernt? Die nächsten Monate wäre das sehr wichtig. Da fahren wir seit zehn Jahren in den Ural und waren zu faul mit der Sprache, weil wir dort ständig von Deutschlehrern umgeben sind.
      Zwei Mann kamen schließlich mit dem Schlüssel angetrottet. Als wir uns im Haus umsahen, wunderten wir uns, dass diese Bude überhaupt noch verwaltet wird. Nach unseren Russland-Erfahrungen war das schon zur Sowjet-Zeit eine primitive Ausstattung. Dass es aber kein fließendes Wasser gab, weil die Installation total verrostet und demontiert war, war eine neue Erfahrung für uns. Der einzige Luxus waren ein Teppichboden im dunklen Vorraum und ein winziger Fernseher, den die Verwalterin am Abend wegsperrte. Wasser sollte eine verrostete Regentonne spenden, in der außer einer braunen Brühe nicht mehr viel war. >


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