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Bericht 9: „Sommerhitze auf der Seidenstraße“ – Seite 1/8

Samarkand ist zunächst eine Stadt in Zentralasien wie andere auch. Dort, wo wir in einer Privatpension untergekommen sind, dominieren nicht die Plattenbauten aus der Russenzeit. Es gibt Privathäuser mit gepflegten Innenhöfen und einer Straße für die Händler, die schon am frühen Morgen unterwegs sind. Es ist eine schöne Wohngegend mit schattigen Bäumen, unter denen es nicht zu heiß wird. Der Straßenbasar ist gleich um die Ecke. Da hocken die Männer und Frauen in ihren Trachten vor den Warenangeboten, Salate, Gemüse und Obst frisch vom Feld, aber auch Frischfleisch. Ein junger Mann wedelte unentwegt die Mücken von seinem Frischknochenhaufen, er lachte und freute sich, als ich ihn fotografierte. Wir konnten uns ungehindert an den Menschen und Warenkörben vorbeizwängen und fotografieren. Gut gelaunt lachten sie uns alle an. Oft fragen wir uns, woher die vielen Männer und Frauen, die da dicht gedrängt hocken und stehen, ihren Optimismus nehmen. Viele haben das gleiche Angebot auf einem kleinen Flecken oder Tischchen oder bieten ihre Ware aus einem umfunktionierten Kinderwagen heraus an. Sie müssen schon recht bescheidene Ansprüche haben, wenn sie am Abend ihr eingenommenes Geld abzählen. Vielleicht irre ich mich auch, denn Basarhändler ist offenbar ein Traumberuf in Asien, was wir schon in der Türkei und im Iran beobachtet haben.
      Das Ziel für die Touristen sind jedoch die historischen Bauwerke am Registan Square, die Moscheen, Mausoleen und die drei Medrasahs mit ihren mächtigen Portalen und schmalen steinernen Minaretten. Wir waren zwei Mal da und hatten uns von dem Flair der Baukunst früherer Jahrhunderte einfangen lassen. Besonders beeindruckend ist es am späten Nachmittag, wenn das schräge Sonnenlicht die Mosaikverkleidungen zum Glänzen bringt. Doch im Vergleich zu Buchara kam schon eine leichte Enttäuschung auf. Dort sind die imposanten Bauwerke eingebettet in die historische Altstadt mit ihren schmalen Gassen. In Samarkand dagegen werden die historischen Attraktionen eingegrenzt von profanen Bauten der Neuzeit.
      Da wir auf unserer Reise selten auf berühmte touristische Stätten stoßen, fällt uns das unterschiedliche Verhalten der Menschen besonders auf. „Tourismus verdirbt den Charakter“, stellte Jutta drastisch fest. Wir kamen am späten Nachmittag an und bezahlten hohes Eintrittsgeld. Ein gut Deutsch sprechender junger Mann hatte uns dazu ermuntert und bot seine Dienste an - kostenlos, wie er betonte. Da waren wir schon misstrauisch. Das hier war keine uneigennützige Gastfreundschaft wie in der Türkei und im Iran. Die konnten wir auch nicht erwarten. Ziel ist es vielmehr meistens, teure Andenken an den Mann zu bringen. Wir wissen, dass es da fein entwickelte Methoden gibt, sich durch Vorleistungen in das Vertrauen der Touristen einzuschleichen. Im Innenhof einer Medrasah hat der sich uns angediente „Guide“ mit der für Führer üblichen monotonen Tonlage die Geschichte der Perser rezitiert, die vor Jahrhunderten die Koranschulen errichten ließen. Als er auf die Besonderheit hinwies, dass in den Koranschulen nicht gebetet werden durfte, kam schon ein Aufseher und wies uns hinaus, denn die Besuchszeit war nach 20 Minuten abgelaufen. Wir schauten uns an, und Jutta meinte: „Was ist denn nun los? Für was haben wir denn so viel Geld bezahlt?“ Für unseren Begleiter war es jedoch ein Signal, denn er führte uns in den nächstgelegenen Andenkenshop. Da gibt es schöne, kostbare Souvenirs, nicht mal kitschig, wie zum Beispiel Gold und Brokatstickereien. Doch wir scheiden als Käufer aus, unsere Packtaschen sind schon schwer genug. Wir verzichteten auf das von unserem Begleiter angebotene Treffen am nächsten Tag. Er hatte zusätzlich mit einer Einladung zum Essen gelockt.
      Wie in Buchara auch, gab es in Samarkand nicht viele Touristen. Die völlig unbegründeten Ängste nach dem 11. September wirken noch immer nach. Es ist eigentlich unbegreiflich, wie oberflächlich Reisepläne geändert werden. Da werden alle Länder, die wie Afghanistan mit –stan enden, kurzerhand als gefährlich eingestuft. . .
. . . Seit Turkmenistan bewegen wir uns im russischen Sprachraum, doch unsere Russisch-Kenntnisse sind äußerst bescheiden. Die Kommunikation wird dadurch erheblich eingeschränkt. Gesprächspartner mit Englisch-Kenntnissen finden sich in Zentralasien seltener als in den zuvor bereisten Ländern. Es ist eine Herausforderung, sich dennoch zurechtzufinden, aber wir fanden uns nie hilflos ausgeliefert.
      Oft sind die Sprachbarrieren ein Grund dafür, eine Pauschalreise zu buchen. Man muss sich um nichts kümmern. Da die Reiseleiter ihren Schützlingen oft das Gefühl vermitteln, ohne sie wären sie völlig hilflos, heißt es den eigenen Willen ablegen und schön brav hinter dem Reiseleiter her, vom Flugzeug in den klimatisierten Bus und dann in die klimatisierte Hotelhalle, wo man sich auch nicht um die Koffer kümmern muss, ein gemeinsames Mittagessen, und dann kann das routinemäßige Durchschleusen durch die hochgepriesenen touristischen Attraktionen beginnen. Menschen aus den bereisten Ländern sehen sie auch manchmal, wenn Folkloretanz angeboten wird, der im Reisepreis enthalten oder gegen Aufpreis zu bewundern ist. Das ist für uns eine Horrorvorstellung, so verwöhnt sind wir vom individuellen Reisen.
      Wir hätten uns in Samarkand noch intensiver umgeschaut, aber wir waren wirklich nicht gut drauf. Beide waren wir vom Durchfall geschwächt, Jutta mehr als ich. So war auch die Weiterfahrt nach Taschkent eher quälend als reizvoll. Wieder hofften wir, uns in Taschkent in einem kleinen, sauberen Hotel erholen zu können. Es war uns von einer Bekannten vermittelt worden, die wir in Buchara kennen gelernt hatten und die im Goethe-Institut arbeitet. Das Wichtigste in dem kleinen Zimmer war die Klimaanlage. Taschkent im nördlichsten Winkel von Usbekistan ist die Hauptstadt des Landes. Wenn auch nicht topfit, waren wir doch jeden Tag einige Stunden unterwegs. >

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