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Jutta


Die Vergangenheit prägt uns, ob uns das passt oder nicht. Jede Begegnung und jede Erfahrung wirkt sich irgendwie aus. Wir werden geformt, wie ein Baum im Wind.
      Das Wichtigste, was Sie über mein Leben wissen sollen, ist, dass ich als zweites von sechs Kindern 1946 vor der Währungsreform geboren wurde. Das war nicht so günstig für mich, wie sich später herausstellte. Meine Eltern standen vor einem Nichts, so wie es den meisten Menschen in Deutschland ging. Wir lebten in Nordrhein-Westfalen.
      Im Alter von sechs Jahren übertrug mir meine Mutter die Reinigungsaufgaben der Küche, einschließlich Abwasch und das Stopfen der Wäsche. In meinen Gedanken war der Wunsch, mit meinen gleichaltrigen Kindern zu spielen, folglich beeilte ich mich mit dem Stopfen und zog dabei auch mal die Löcher zusammen. Meine Mutter kontrollierte mein Stopfen und schnitt gnadenlos die zusammengezogenen Löcher wieder auf. Dabei sagte sie stets „Was du machst, mache richtig oder lass es.“ Dieser Satz ist bis heute tief in mir verwurzelt.
      In unterschiedlichen Jahresabständen wurden meine restlichen vier Geschwister zu Hause geboren. Mit neun Jahren kochte ich meine erste Suppe, wusch die Wäsche und versorgte meine Mutter im Wochenbett.
      Das Ergebnis dieser frühkindlichen Sozialerziehung machte aus mir einen pragmatischen Menschen mit ausgeprägten Sozialverhalten und Helfersyndrom. Bei uns daheim gab es keinerlei Förderung von Neigungen, es gab nur Pflichten. Vergangenheitsbezogen wählte ich den Beruf der Krankenschwester, später den Beruf der Hebamme. Seit meinem 16. Lebensjahr war ich im Krankenhaus tätig, davon war ich 27 Jahre Hebamme. Ich bin ein naturverbundener Mensch, deshalb schätze ich auch die Behandlung mit Naturheilmitteln. In der Homöopathie habe ich Kenntnisse erworben, behandle mich, meine Familie und alle, die mich darum bitten, damit.
      Mit 30 Jahren bekam ich mein erstes und einziges Kind, das ich allein großzog. Bis zu meinem 39. Lebensjahr wusste ich nur, wie man Sport schrieb, nicht wie man ihn machte. Ich erinnere mich noch genau. Ich war zu einer Geburtstagsfeier eingeladen bei einer Kinderschwester. Unter den Gästen befanden sich drei Frauen, die regelmäßig joggten. Begeistert erzählten sie von ihrem regelmäßigen Lauftreff. Das hatte mich neugierig gemacht, ein wenig Kontakt und Abwechslung waren mir willkommen. Seit einem Jahr wohnte ich in Neuss, einer linksrheinischen Kleinstadt, und hatte kaum Kontakt zu anderen Frauen. Mutig stimmte ich einer Einladung zum Lauftreff zu, die sich drei Mal in der Woche am Rande eines kleinen Waldes trafen. Es gab drei Leistungsgruppen:
Ich ordnete mich zu den Schwächsten, in der Hausfrauen und Rentner liefen. Sie trainierten im Takt fünf Minuten Laufen, fünf Minuten Gehen. Nach dreimaliger Teilnahme in dieser Gruppe fühlte ich mich unterfordert. In der nächsten Leistungsstufe wurde im Wechsel 20 Minuten Laufen, 20 Minuten Gymnastik, 20 Minuten Laufen trainiert. Nach einem Monat reichte mir das auch nicht mehr, also stieß ich zu den Cracks der Laufriege mit einigen fanatischen Läufern. Zum ersten Mal lief ich zehn Kilometer an einem Stück. Ich war mächtig stolz auf mich, das geschafft zu haben. Drei Tage lang hatte ich Muskelkater, dass ich kaum gehen konnte, aber ich ging weiter regelmäßig dorthin. Meinen ersten Wettkampf lief ich ein halbes Jahr später, zehn Kilometer, weitere Wettkämpfe mit unterschiedlichen Distanzen folgten. Ein Jahr nach dem Laufbeginn lief ich meinen ersten Marathon und das in einer beachtlichen Zeit von 3 Minuten und 27 Sekunden. Damit war der Grundstein meiner Laufkarriere gelegt. Zirca 25 Marathonläufe und einmal einen 100-Kilometer-Lauf , mit meinen Mann in Biel, bin ich in den folgenden 18 Jahren gelaufen.
      1991 lernte ich meinen jetzigen Mann kennen, der wie ich ein 14-tägiges Höhen-Lauftraining in Kitzbühel machte. Er fiel mir gleich auf, ich dachte, der gefällt mir, den möchte ich näher kennen lernen. Irgendwie muss ich ihm wohl aufgefallen sein. Wir bildeten mit anderen Läufern eine größere Gruppe und verabredeten uns zu einem Berglauf-Training über 21 Kilometer. Bei diesem Lauf kamen wir uns näher. Heute ist er mein Mann. Uns verbindet nicht nur der Sport! Er ist mein Ehemann, Freund, Tröster und Kumpel.
      1998 sind wir auf meinen Wunsch durch die USA mit dem Rad gefahren, 7000 Kilometer, von Ost nach West, von Nord nach Süd, haben 93 000 Höhenmeter gut bewältigt.
      Das hat meinen Mann so inspiriert, dass er den Traum vom Radeln um die Welt unbedingt verwirklichen wollte. Es ist nicht unbedingt mein Traum, aber ich bin dabei, denn ich liebe ihn und da wo er ist, gehöre ich auch hin. Es ist auch eine Bereicherung. Tun wir’s, solange wir es können. Das Leben ist wie ein Buch. Es reicht mir nicht, nur eine Seite in meinem Leben aufzuschlagen!!!

Jutta Schippers-Krauss

   


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